102 DALMATINER Für alle Kinder zwischen 7 und 70 haben die Disney-Productions die Geschichte um eine Schar allerliebster Dalmatiner-Hunde wieder aufleben lassen. Gemäß des an dieser Stelle schon des öfteren konstatierten Hollywood-Grundsatzes: Was einmal ein Erfolg war, sollte man mindestens noch ein zweites Mal auf Erfolgsträchtigkeit abklopfen. Und so sind sie dann in den meisten Fällen auch, diese Zweitverwertungen. Von „Rocky 2“ bis zur x-ten Auflage vom „Käfig voller Narren“. Glücklicherweise gibt es positive Ausnahmen. Wenige zwar, aber die 102 DALMATINER kann man durchaus dazu zählen. Mag sein, dass mich meine Begeisterung für Hunde im allgemeinen und für die possierlichen Dalmatinerwelpen, die mit viel zu viel Fell und übergroßen Pfoten durch diesen Filmen tapsen, im besonderen, zu dieser Beurteilung veranlassen. Aber dann wiederum bin ich sicher, dass ich damit nicht allein bin. Cruella de Vil, diese zynische Hundefeindin, scheint nach Gefängnis-Aufenthalt und der Schock-Behandlung durch den Anstaltsarzt Dr. Pavlov von ihrer fixen Idee geheilt, dass Dalmatinerwelpen nur zur Welt kommen, damit man ihnen das Fell abziehen kann, um daraus Kleidungsstücke zu herzustellen. Ja, sie scheint geraden Wegs von der Saula zur Paula mutiert zu sein, denn als das Hundeheim „Second Chance“ in finanzielle Turbulenzen gerät, ist es Cruella, die vor TV-Kameras PR-versiert agiert. Sie begleicht die Schulden und sichert damit den Fortbestand. Aber bevor dieser Film endgültig in einen Taumel von Friede, Freude und Hundekuchen abdriftet, lässt das Drehbuch-Autoren-Team Cruella doch noch rechtzeitig rückfällig werden. Londons BIG BEN sei Dank, denn seine Schwingungen lassen aus Cruella wieder ganz die Alte werden. Rücksichtsloser als je zuvor macht sie mit ihrem Gefährten Alonzo Jagd auf dalmatinische Babys, um letztlich den französischen Mode-Designer Jean-Pierre Le Pelt mit der Schöpfung ihrer Lieblings-Kreation zu beauftragen: Einer Robe aus 101 Dalmatiner-Fellen, das 102., das dem Film den Titel gibt, ist für die Kapuze vorgesehen.... Unter der Regie des erfolgreichen Zeichentrick-Spezialisten Kevin Lima gibt Glenn Close der Cruella bedrohliches Profil. Als französischer Fummel-Designer steht ihr kein Geringerer als Gerard Depardieu zur Seite. Die wahren Attraktionen dieses Films sind aber selbstverständlich die Tiere: Tapsige Dalmatiner-Frischlinge und selbst ein Papagei zeigt beachtliche Star-Qualitäten. Er kann nämlich bellen und hält sich im Grunde seines Vogelherzens auch für einen Hund. Wer also ein Herz für Tiere hat und 100 Minuten lang um das Schicksal einer Hundeschar bangen möchte, der sollte den Weg ins Kino nicht scheuen. Unter uns: Es wird kein einziges Dalmatiner-Haar gekrümmt und ein Happy-End gibt´s obendrein.
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