28 Tage Dass Film-Verleih-Firmen ordentlichen Wirbel um ihre Premieren machen ist nachvollziehbar denn schließlich kostet jede Produktion eine schöne Stange Geld und die Finanziers möchten ihre Dollars möglichst vervielfacht wieder in die Kasse zurückfließen sehen. Unter diesem Gesichtspunkt muß man also die markigen Reklamesprüche von "Noch nie Dagewesenem" oder "Die Rolle seines bzw. ihres Lebens" sehen. Das Jahrhundert-Talent DIESER Woche heißt Sandra Bullock und man hat ihr nach all den eher leichtgewichtigen Filmfiguren, mit denen sie bekannt wurde - eine sogenannte DRAMATISCHE Rolle auf den hübschen Leib geschrieben. Im Streifen 28 TAGE ist sie Gwen Cummings, ein New Yorker Partygirl, dem nichts fremd ist was zwischen Bett, Bar und Disco abläuft. Auf der Hochzeit ihrer Schwester kommt es schließlich zum Eklat. Gwen rammt volltrunken mit einer der Hochzeits-Limousinen ein Haus und wird nach den Regeln amerikanischer Gesetzgebung in eine Heilanstalt eingeliefert, um dort daher der Filmtitel 28 TAGE von der Saula zur Paula zu mutieren. Da gebärdet sie sich zunächst störrisch und ihren Mit-Patienten gegenüber arrogant. Aber auch gegen diese harte Charakter-Kruste haben Drehbuchautorin Susannah Grant und Regisseurin Betty Thomas die entsprechenden Weichspüler parat. Die Medizin heißt Cornell, ist Leiter der Anstalt, in der Gwen schmachtet und wird von Steve Buscemi dargestellt. Ihm gelingt es schließlich, aus dem Alkohol- und Drogen-Puttel nach dramatischen 106 Minuten wieder die schöne reine Prinzessin von nebenan werden zu lassen, als die Filmfreunde in aller Welt Sandra Bullock schätzen und lieben gelernt haben. Im Grunde ist der Film 28 TAGE lediglich ein Anlass, seinem Star Sandra Bullock Gelegenheit zu geben, Wandlungsfähigkeit zu beweisen und das tut sie immerhin nicht schlecht. Ich denke aber, dass, wenn man sich schon an ein Thema wie Alkohol- und Drogensucht heranmacht, man es nicht als oberflächliche Hollywood-Schmonzette verschenken sollte. Bei Filmen wie "Dead Man Walking", in dem die Todesstrafe thematisiert wurde, ist man durch das Drehbuch, die Regie und vor allem durch Sean Penns außerordentliche Leistung höchst emotionalisiert aus dem Kino gekommen. Das heißt, man hat Stellung bezogen. Und damit wurde bewiesen, dass sich ernste Themen und spannende Kino-Unterhaltung nicht notwendigerweise ausschließen. Ich denke, das sollte auch als Überlegung bei einem Drehbuch einfließen, in dem es um die Zivilisations-Geisel Nr.1: Alkohol und Drogen geht.
|
||
Zurück zu Film der Woche Index
|