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Beautiful Mind Wenn man im Internet eine Abfrage startet, wie viele und welche Ehrungen unserem Film dieser Woche bereits verliehen wurden – noch bevor seine Premiere im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat – und für welch hohe Preis-Weihen er in naher Zukunft noch im Rennen ist, erhält sechs eng gedruckte Din A 4-Seiten. Darauf sind die bereits vergebenen Golden Globes für den Besten Schauspieler und die Beste Schauspielerin in einer Nebenrolle für Russell Crowe und Jennifer Conelly vermerkt sowie der Preis für das Beste Drehbuch von Akiva Goldsman. Es folgt eine Preisflut für die Filmmusik von James Horner, den Besten Schnitt von Daniel P. Hanley. Dazu noch Bestes Makeup, Beste Produktion, Beste Regie und und und... Nominierungen für den in wenigen Tagen zu vergebenden OSCAR nehmen allein eine ganze Seite ein und es sollte nicht verwundern wenn Russell Crowe nach seinem „Gladiator“-Erfolg auch in diesem Jahr mit der Goldenen Statue nach Hause ginge. Dieses lange Vorwort gilt einem Film, dessen Inhalt um die immer wiederkehrende allgemeine Vermutung kreist, dass Genialität auf der einen Seite, Wahnsinn auf der anderen Seite bedingt bzw. zur Folge hat. In der deutschen Sprache wird dafür auch ein Wort verwendet, das ganz gut wiedergibt, wovon da die Rede ist. Es lautet „ver-rückt“ und bedeutet im ursprünglichen Sinn nichts anderes als dass der Mensch, auf den dieses Eigenschaftswort angewendet wird, einen Standpunkt einnimmt, der aus der Mitte gesellschaftlich akzeptierter Normen ge-rückt ist bzw. beschreibt es eine Peron, die ihre Umwelt aus einem ver-rückten Blickwinkel wahrnimmt und die wird sodann taxfrei als wahnsinnig gebrandmarkt. Als man nun vernehmen konnte, dass sich Hollywood einer so diffizilen Geschichte annimmt, wie der des 1994 mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Mathematikers John Forbes Nash, der bereits in jungen Jahren hohes wissenschaftliches Aufsehen erregte und im Alter von 30 an Schizophrenie erkrankte und dass als Regisseur für diese wahren Lebensgeschichte der „Apollo 13“ und „Grinch“-Regisseur Ron Howard zur Diskussion steht, legte sich die Stirne des Film- und Kino-Freundes natürlich in berechtigte Sorgenfalten. Zwar war ein ähnlich gelagertes Unterfangen aus Hollywood mit Barry Levinsons Film „Rain Man“ 1988 schon einmal exemplarisch geglückt aber bei Ron Howards bisheriger Filmographie waren Zweifel nicht unangebracht. Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Sorgenfalten können sich glätten. Dank des Umstands, dass es sich bei Howard auch um einen gelernten und offenbar sensiblen Schauspieler handelt, dem man die „Apollo“-Heroisierung nicht übel nehmen sollte und dass er sich hier der Mitarbeit der bereits genannten hochkarätigen Kollegen Russell Crowe und Jennifer Conelly versicherte, ist aus dem Film „A Beautiful Mind“ – bei uns heißt er natürlich „Genie und Wahnsinn“ – ein wirklicher Wurf geworden, dem man, bis auf kleine Einwände, die Welle der Begeisterung gönnt, die er seit seiner sensationellen Premiere in den USA vor sich her schiebt. Russel Crowe ist in diesem Film jener John Forbes Nash. Und wenn ich bewusst schreibe, er IST dieser berühmte Mathematiker dann meine ich, dass er ihn nicht nur SPIELT. Dieser Schauspieler verfügt über eine magische Präsenz auf der Leinwand, die die ungeteilte Aufmerksamkeit der Zuseher sofort an sich saugt - zumindest in dieser Rolle ist dies der Fall – und es bedarf schon einiger besonderer schauspielerischer Fähigkeiten wenn man da mithalten möchte. Jennifer Connelly in der Rolle der mitleidenden Ehefrau gelingt das auf besonders berührende Weise. Ähnliches gilt für Paul Bettany als Nash´s Zimmer-Kollegen am College von Princeton und Ed Harris als Beamten des amerikanischen Geheimdienstes CIA. Ein ganz besonderer Glückwunsch zur gelungenen Regiearbeit auch für Ron Howard – wenn man von einigen standhaften Druckversuchen auf die Tränendrüse des Betrachters am Ende des Films absieht. Alles in allem: Ein Film, den man sich allein der schauspielerischen Glanzleistungen wegen nicht entgehen lassen sollte.
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