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AMERICAN BEAUTY Eigentlich hätte der Film "American Beauty" ja gar nicht gedreht werden sollen. Alle Produzenten, die die Gelegenheit hatten, das Drehbuch von Alan Ball zu lesen, quietschten vor Vergnügen, aber für eine so scharfe und gnadenlose Satire auf das amerikanische Spießertum und seine Doppelmoral verantwortlich zu sein, dazu fehlte allen von ihnen die Courage. Und das ist natürlich schon wieder Realsatire !! Nur einer, der immer schon ein bisschen mehr Durchblick hatte, sah die drohende Explosion mit Freude auf sich zukommen und spürte, dass nach der trostlosen Show, die ein gewisser Kenneth Starr und seine republikanische Altherren-Riege in der lüsternen Verfolgung von Clinton und Lewinsky geboten hatten, dieser Filmstoff genau auf den Punkt traf: Steven Spielberg. Als bekannt wurde, dass er den Film produzieren würde, standen die Regie-Kapazunder gleich im Dutzend auf seiner Türmatte, aber Spielbergs Abenteuerlust war noch nicht befriedigt und so setzte er auf den britischen Theater-Regisseur Sam Mendes, von dem er gerade zuvor in New York eine umjubelte Broadway-Show gesehen hatte. Nach der Annahme des Drehbuchs war das Spielbergs Glücksgriff Nr. 2, denn Mendes ist einerseits bestens geschult in britischer Satire-Tradition und hat andererseits natürlich den distanzierteren und dadurch schärferen - Blick auf das amerikanische Spießertum als es ein Insider jemals haben könnte. Mendes wiederum Glücksfall Nr. 3 machte Annette Bening und Kevin Spacey zu seinen Stars und mit allen diesen Zutaten waren Voraussetzungen geschaffen, bei denen schon fast nichts mehr schief gehen konnte. Ging auch nicht !! Im Gegenteil: "American Beauty" gilt in Fachkreisen bereits als heißer OSCAR-Favorit. Wenn dagegen nicht die Hüter selbst gehäkelter Moral-Pölsterchen ihr letztes Pulver verschießen, denn zumeist sagt eine Auszeichnung ja mehr über die aus, die sie verleihen als über die zu Ehrenden. Wir werden es ja erleben. Zum Inhalt: Lester Burnham, dargestellt von Kevin Spacey, ist ein typischer Verlierer, vergleichbar jener tragischen Witzigur, die sich beim Psychiater darüber beschwert, dass sie immer übersehen wird. Darauf ruft der Psychiater ins Wartezimmer: "Der Nächste bitte !!" Lesters Ehe ist kaputt , die Ehefrau sexuell und beruflich frustriert, Töchterchen missmutig und renitent. Mit einem Wort: Nach außen glänzt die Fassade noch aufs Fröhlichste während im Inneren bereits die Abrissbirne baumelt. Kann das schon alles gewesen sein ? fragt sich Lester. Nein !! lautet seine entschlossene Antwort und so rafft er sich zu einem Gewaltakt auf, den niemand jemals von ihm erwartet hätte. Auf einer Veranstaltung in der Schule seiner Tochter trifft er mit deren Freundin Angela zusammen und dieses Treffen legt die Lunte an ein trockenes Geäst, das nur aufs Lodern gewartet zu haben scheint. Ab jetzt ist nichts mehr so wie es einmal war. Lester knallt durch, kündigt seinen Job nicht ohne dabei seinen Chef ordentlich übers Ohr zu hauen - setzt sich in den Kopf, mit dem süßen Nymphchen Angela eine Affäre zu beginnen, geht ins Fitness-Studio, raucht Gras, kauft sich einen 75-er Firebird - ein Auto, das er schon immer haben wollte und mutiert zum Vorstadt-Rebell, der auch vor sexuellen Tabus nicht halt macht. Mit einem Wort: Er macht die verborgene Rückseite, die aufgestaute Lust hinter der bibelfesten Fassade, sichtbar. Eine Lust, die jederzeit auch leicht in Gewalt umschlagen kann. Auch dies ist in "American Beauty" zu sehen. Und dann ist da ja noch Ricky, der Sohn eines fanatischen amerikanischen Waffen-Narren und Neo-Nazis. Er dealt mit Drogen und ist in Sam Mendes´ chaotischen Szenario dennoch auf seltsame Weise so etwas wie ein Hoffnungsträger. Ricky wird gespielt von DER Entdeckung dieses Films, von Wes Bentley. Ihn sollten Sie sich merken, liebe Filmfreunde, denn ich bin sicher, dass er einer jener Schauspieler ist, die den amerikanischen Film während der kommenden Jahre mitprägen werden. Genug geschwärmt von "American Beauty" und damit hoffentlich erreicht, dass Sie den Weg ins Kino finden wo dieser Film in den europäischen Premierenkinos anläuft. Und wenn Sie da keine Karte mehr bekommen sollten, dann bleibt Ihnen immerhin noch die lohnende Alternative, sich einen spannenden Reißer mit Denzel Washington anzusehen. Im Krimi "Der Knochenjäger" spielt der dunkelhäutige Darling einen an den Rollstuhl gefesselten Detektiv, der die Morde eines perversen New Yorker Serienkillers aufzuklären versucht. Im Australier Philip Noyce, der schon mit dem "Schweigen der Lämmer" für Furore sorgte, hatte Denzel Washington einen Regisseur, der genau die morbide Stimmung traf, die dieser story zur vollen Blüte verhalf. Ebenfalls sehr sehenswert !! Hiermit entlasse ich alle Film-Freunde in eine außergewöhnlich attraktive Kino-Woche, die außer den genannten Filmen mit dem kanadischen "Cirque du soleil" noch eine großartige Show auf der Riesenleinwand des Wiener IMAX-KINO bietet.
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