BEGEGNUNG DES SCHICKSALS

Wenn ein so außerordentlicher Könner wie Sidney Pollack bei einer Filmproduktion auf dem Regiestuhl gesessen hat, dann ist sowieso schon einmal größte Aufmerksamkeit geboten. Auch wenn dafür nicht mit einem Budget geworben wird, das bei manchen Ergebnissen minderer Qualität fast mit den Produktionskosten gleichzieht.

Hier muss man sich keine Sorgen um die story machen. Sie stimmt, sonst rührt Mr. Pollack keinen Finger. Auch wegen der Besetzung sind keinerlei Bedenken angebracht, da verfährt Mr. Pollack nach dem Oscar-Wilde-Prinzip: Er hat einen ganz einfachen Geschmack. Er ist mit dem Besten zufrieden. So war es bei "Tootsie" , bei "Jenseits von Afrika" und so ist es auch bei dem Film, der jetzt in unsere Kinos kommt, bei der "Begegnung des Schicksals".

So sehr mir der hohltönende deutsche Titel missfällt – zu einer Begegnung gehören nach meiner Erfahrung mindestens zwei - begegnet sich das Schicksal hier also möglicherweise selbst ? oder ist es gar als Geisterfahrer auf Crashkurs ? oder wie oder was ? – so sehr schätze ich seinen Inhalt. Eine wirklich gute Geschichte.

Dutch Van Den Broeck - gespielt vom wunderbar kargen Harrison Ford – wartet in Washington auf seine Frau Peyton und die Kongressabgeordnete Kay Chandler – Kristin Scott Thomas spielt sie – verabschiedet ihren Mann Cullen, der zu einer Geschäftsreise nach New York aufbricht. Da kommt die Nachricht über Funk und TV, dass eine Maschine auf dem Flug nach Miami abgestürzt ist. Was weder Dutch noch Kay zu diesem Zeitpunkt wissen können, ist, dass beide Ehepartner – Peyton sowie Cullen diesem Absturz zum Opfer gefallen sind. Aber alsbald wird für Dutch wie für Kay zur Gewissheit, dass die beiden nicht etwa zufällig im falschen Flugzeug saßen, sondern dass die beiden ein Verhältnis miteinander hatten, das bisher sehr geschickt geheim gehalten worden war.

Die seelische Krise, die diese Erkenntnis bei beiden hinterbliebenen Partnern auslöst, äußert sich zunächst einmal in sehr unterschiedlicher Weise. Während Dutch sich wie von Sinnen in einen Kriminalfall verbeißt, in den einer seiner Kollegen verstrickt ist, fällt Kay in tiefe Depression. Und die wird auch durch den Umstand nicht etwa gemildert, dass Wendy, eine Freundin von Kay, gesteht, ebenfalls mit Cullen fremd gegangen zu sein. Und dann ist da ja noch die Sache mit dem Schlüssel zu einem geheimen Liebesnest....

Gleiches Schicksal verbindet. Und so befinden sich Dutch und Kay auf zwei Geraden, die sich ebenso unmerklich wie unnachgiebig einander nähern.

Diesen Handlungsstrang des Romans von Warren Adler würzen Drehbuchautor Kurt Luedtke und Regisseur Sidney Pollack noch mit einer Reihe von spannenden Details und kreieren damit ein filmisches Menue, das mit vielerlei Geschmacksnoten aufwartet. Aber jede einzelne ist ein Genuß für sich.

RANDOM HEARTS oder wie der Film leider bei uns heißt: BEGEGNUNG DES SCHICKSALS. Ein Film, für den der Gang ins Kino lohnt. Und für Freunde herausragender Filmmusik gibt´s hier gratis auch noch einen Tip: Bei Sony ist eine CD mit der Musik vom großen Dave Grusin erschienen. Trompeter Terence Blanchard ist darauf ebenso zu hören wie Bassist John Patitucci und George-Benson-Schlagzeuger Harvey Mason. Also etwas ganz Besonderes. 

 

 

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