Calle 54

 

Freunde des afro-kubanischen Jazz erinnern sich ganz sicher noch an einen Film, der vor drei Jahren Furore machte und eine Welle der Begeisterung für diese erdige Art der Jazz-Musik entfachte. Wim Wenders war sein Regisseur und er nannte diese Hommage an die Musiker Kubas „Buena Vista Social Club“. Allein im deutschsprachigen Raum wurde dieser Film von mehr als einer Million Kinobesucher gesehen und die CD, die der amerikanische Country-Gitarrist Ry Cooder mit den Urgesteinen des Son, dem kubanischen Blues, - die meisten davon zwischen 75 und 90 Jahre jung – aufgenommen hatte, war weltweit wochenlang die unumschränkte Nummer 1 in den entsprechenden Charts.

Ein solcher Mega-Erfolg konnte die Konkurrenz natürlich nicht ruhen lassen und so versuchte der spanische Regisseur Fernando Trueba vor 2 ½  Jahren auf diesen Zug aufzuspringen und genau dieser Film ist jetzt in unseren Kinos zu begutachten. Er nennt sich CALLE 54 und versammelt eine ganze Reihe namhafter Stars des Latin Jazz zu gemeinsamem Musizieren. Als da sind: Der grandiose Tenor-Saxophonist Gato Barbieri, der vor zwei Jahren nach langer Abwesenheit wieder in Österreich aufspielte. Ein unberechenbarer Vulkan, musikalisch ebenso wie in seinem Verhalten. Ich kann ein Lied davon singen denn ich hatte die Ehre, eine Show mit ihm zu moderieren.

Weiters mit von der musikalischen Partie: Der Ausnahme-Altsaxophonist Paquito D´Rivera, die Pianisten Michel Camilo und Eliane Elias sowie der kurz nach Beendigung der Dreharbeiten am 01. Juni 200 verstorbene Percussionist, Komponist und Bandleader Ernesto „Tito“ Puente, der übrigens Santanas Welthit „Oye como va“ geschrieben hat.

 

Wer nun allerdings Fernando Truebas Film „Calle 54“ mit der vorbildlichen Verfilmung von Wim Wenders „Buena Vista Sovial Club“ im Kopf besucht, wird mit ziemlicher Sicherheit qualitative Abstriche in Kauf nehmen müssen. Während Wenders mit einer betont ruhigen und suggestiven Kameraführung die Musiker umkreist und den Zuseher damit in ihren Bann zieht, meint Trueba mit vielen Nahaufnahmen und einer Schnittfolge arbeiten zu müssen, die der optischen Shredder-Technik moderner MTV-Videos nicht nachstehen und ein Schnitt, der das Auge länger als 5 Sekunden zum Verweilen und Ausruhen einlädt, ist eher selten.

Außerdem mangelt es diesem Film auch ein wenig an der Leidenschaft, die die latein-amerikani-sche Jazz-Musik so mitreißend macht. Und wenn da und dort auch einmal die Kamera verrutscht wäre oder sich ein Fremd-Partikel auf der Linse breit gemacht hätte, alles wäre verzeihlich gewe-sen, nur eines verträgt diese Art von Musik nicht: Feine Politur. Da verliert sie ihre Ursprünglich-keit, ihre Spontaneität und ihre Direktheit.

Natürlich gibt es auch hinreißende Momente, die in der Sekunde die ganze rauhe Schönheit dieser Musik aufreißen, etwa wenn Bassist Anthony Jackson selbstvergessen und virtuos seinen E-Bass spielt aber sie sind eher die Ausnahme. Dennoch: Wer diese Art von Musik liebt, sollte „Calle 54“ nicht versäumen. Die Musik allein lohnt den Kino-Besuch ! Und wer sich von den Bildern dazu nicht in Stress bringen lassen möchte, der macht sie eben einfach zu.

 

 

 

 

 

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