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CAST AWAY VERSCHOLLEN
Wenn man in diesen Tagen die schmerzliche Erfahrung machen muß, dass Meisterwerke wie „Billy Elliott“ in der Zuschauergunst meilenweit hinter Klamotten wie „Der Grinch“ zurückliegen dann fällt es einem nicht leicht, mit frohem Mut weiter für eine Form der Film-KUNST zu werben, die diesen Namen verdient. Aber dann wiederum: Herausragende Filme bedürfen schließlich einer Masse, aus der sie ragen und so wollen wir unverdrossen zumindest die Spreu vom Weizen trennen helfen. Ein gutes Beispiel für dieses Unterfangen bieten Robert Zemeckis als Regisseur und Tom Hanks als Darsteller in CAST AWAY – VERSCHOLLEN. Chuck Noland ist stets auf Achse und jettet fremdbestimmt um die Welt, um für ein Brief- und Paket-Express-Unternehmen die Mitarbeiter auf Erfolgskurs zu trimmen. Für ein geregeltes Privatleben bleibt in diesem stetigen Marathonlauf selbstverständlich keine Zeit und Weihnachten reduziert sich auf einen flüchtigen Kuss für die Lebens-Abschnitts-Gefährtin vor dem nächsten dringenden Ruf zum Abflug-Gate. In diesem Leben auf der Überholspur bleibt natürlich wenig Zeit, sich und seine Lebensgestaltung hin und wieder einer kritischen Würdigung zu unterziehen. Aber dafür soll Chuck Noland alsbald seine Chance haben. Als nämlich sein Flugzeug abstürzt und er durch ein Wunder als Einziger überlebt, findet er sich allein auf einer verlassenen Insel wieder. Und nun muß sich der Tüchtige wahrhaftig bewähren. Im Ringen ums tägliche Dasein, im Kampf mit den Elementen und auch...mit sich selbst als einzigem Gesprächspartner. D.h. nein, da gibt es ja noch einen alten Volleyball, der Chuck als geduldiger Blitzableiter für dessen Launen dient. Dass die Geschichte nicht als Robinsonade, also als romantische story: Zivilisationsmensch domestiziert auf einsamer Insel einen vermeintlich wilden Ureinwohner, konzipiert ist, schon gar nicht als eine der derzeit gängigen Reality-TV-Schnulzen, sondern als Reise zum unentdecktesten aller Kontinente, nämlich ins eigene Ich, das macht diesen Film so sehenswert. Und dafür dass man vergisst, dass über weite Strecken nur eine einzige Person, also Tom Hanks als Protagonist dieses Films, zu sehen ist, gebührt diesem Unternehmen eine besondere Auszeichnung. Ich verhehle nicht, dass ich meine Zweifel hatte, ob ich ein Tom-Hanks-Solo über die Mehrzahl der 143 Fil-Minuten ohne überfallsartige Müdigkeit aushalten würde. Es spricht für Tom Hanks aber auch für den gesamten Film, dass dieser Zweifel schon sehr bald ausgeräumt war.
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