Chicken Run

Hennen Rennen

Sollten Sie sich einen besonderen Sommerspaß im Kino leisten wollen, so kommen Sie um einen Film gewiss nicht herum, der in diesen Tagen zum ersten Mal über unsere heimischen Leinwände flimmert. Er heißt "CHICKEN RUN" mit dem deutschen Untertitel HENNEN RENNEN. Allerdings: Wenn ich soeben "Sommerspaß" gemeint habe, so stimmt das nur zum Teil. Und zwar insofern als die "Wallace und Gromit"-Hersteller Nick Park und Peter Lord in der Sorgfalt, mit der sie ihre animierten Figuren aus der tönernen Knetmasse schälen, über sich hinausgewachsen sind. Und das heißt einiges, denn sie haben mit ihren bisherigen Arbeiten bereits absolute Maßstäbe in diesem Bereich gesetzt. Jedes der hier für jede Einstellung neu zurecht gekneteten Hühner hat seinen eigenen unverwechselbaren Charakter und seine eigene unwerfende Komik. Taschentücher sind also für den Besuch dieses Films ein absolutes Muss. Allerdings nur, um die Tränen zu trocknen, die Sie beim Lachen vergießen werden.

Aber in meiner Begeisterung stelle ich fest, dass ich Ihnen noch gar nichts vom Inhalt geschildert habe. Daher in aller Kürze: Ginger, Babs, Mac, Bunty etc. sind allesamt Hühner, die auf der Farm der finsteren Mrs. Tweedy ein Leben als Eierproduzenten und – die gierige Mrs. Tweedy will vom Eier- zum Pastetenhersteller avancieren – in absehbarer Zeit auch als potentielle Pasteten-Produzenten fristen. Um nun dem Schicksal, sich in irgendeinem WIENERWALD an der heißen Stange drehen oder als Faschiertes enden zu müssen, zu entgehen, versuchen sie auf jede erdenkliche Art ihrem abgesperrten Terrain zu entkommen. Ohne Erfolg. Mrs. Tweedy und ihr tumber Ehemann vereiteln jeden Fluchtversuch. Bis eines Tages der amerikanische Zirkushahn Rocky eine Bruchlandung inmitten des britischen Hühnerhofs baut und den leidenden Artgenoss-INNEN nahe legt, ihr Glück doch auf dem Luftweg zu versuchen. Doch bis es endgültig zur Luftbrücke kommt, sollen noch bange Tage vergehen, in denen die Pastetenmaschine der Mrs. Tweedy im Hintergrund droht...

Wie bereits gesagt: Zunächst einmal ein genialer Film-Spaß. Und das nicht nur wegen der schier unfassbaren Akribie aller Mitarbeiter, sondern auch was deren Sinn für Charaktere und Situationskomik anlangt. Und wenn man sich dann noch vorstellt, dass pro Filmkader jedes der possierlichen Viecher neu zurecht geknetet werden musste – und das sind immerhin 25 Einstellungen pro Sekunde – dann kommt einem das Steinerollen des Sysiphus wie ein Ferialjob vor. Also allerhöchste Reverenz vor Ausdauer und handwerklichem Können der Gestalter. Und – vor der hintersinnigen Geschichte, die sich die BBC-Programm-Gestalter Nick Park und Peter Lord zurecht gelegt haben.

Denn man kann die story vom scheinbar unüberwindbar abgegrenzten Terrain des Hühnerhofs und dessen tödlicher Bedrohung im Inneren auch als Parabel über das eine oder andere Land begreifen, in dem Menschen statt Hühner leben. Und das ist der Grund weshalb ich in diesem Film nicht NUR unbeschwert drauflos lachen kann.

Nimmt man alles in allem, so legt dieser Streifen jedenfalls eine Messlatte an die Kategorie der animierten Filme, die nicht so ohne weiteres überbietbar scheint.

 

 

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