CHOCOLAT

 

In dieser Woche wird man unter den neu startenden Filmen vergeblich nach einem jener Kassenknüller suchen, die den Kino-Freund bereits lange vor ihrer Premiere mit einem Werbe-Budget zudröhnen, das manchmal größer als die Produktionskosten ist.

Dafür wartet man mit einem kleinen aber feinen Film auf, der allerdings ein wenig mehr Freude an exquisiten Bildern und Geduld für feinfühlig entwickelte Charakter-Studien erfordert als den Sehgewohnheiten von MTV-Konsumenten eigen ist. Sein süßer Titel: CHOCOLAT.

Das kleine französische Provinz-Städtchen Lansquenet-sous-Tannes wird noch immer von der Engstirnigkeit katholisch-mittelalterlicher Riten beherrscht und eingeschnürt. Dafür sorgen die entsprechenden Sittenwächter. Der rigoroseste und autoritärste unter ihnen: Der bigotte Bürgermeister Comte de Reynaud. Selbstverständlich ist er mit dem Flammenschwert auf dem Plan als Vianne Rocher, eine wahre Zauberin echter Schokoladen-Freuden, ins Städtchen kommt, um einen Laden für ihre Erzeugnisse zu eröffnen. Als er dann auch noch erfahren muß, dass diese Genüsse sogar in der heiligen Fastenzeit die Gelüste der Bevölkerung wecken und Vianne darüber hinaus ihre Kunden mit dem Virus freieren Denkens infiziert und zum Teil sogar kuriert, ist der gute Mann am Ende seiner Nerven. Er erklärt Vianne offen den Krieg....

Regisseur Lasse Hallström, der mit „Teufels Werk und Gottes Beitrag“ nach John Irvings Erzählung einst bereits seine Kritik an mausetoten Moralvorstellungen ins Bild gerückt hat, lässt seinen Kameramann  Roger Pratt in wunderschönen Bildern schwelgen und wartet mit einer Besetzung auf, die nichts zu wünschen übrig lässt. Vier Golden Globe-Nominierungen waren das erfreuliche Ergebnis. Unter anderem: Für Juliette Binoch als Beste Hauptdarstel-lerin in der Rolle der Schokoladen-Lady und für die Beste Nebenrolle eine der bemerkenswer-testen Schausielerinnen unserer Zeit: Judy Dench. Weiere Stars: Die Schwedin Lena Olin – bekannt aus Filmen Ingmar Bergmanns – und last but not least: Ladykiller Johnny Depp.

Noch ein Wort zum soundtrack dieses Films. CHOCOLAT wird musikalisch betreut von der englischen Filmkomponistin Rachel Portman. Und sie hätte meiner Meinung nach ebenfalls eine Golden Globe-Nominierung verdient. Vom „Minor Swing“ Django Reinhardts bis zu Duke Ellingtons „Caravan“ spannt sie einen Bogen, der den zeitgeschichtlichen Kontext dieses Films auch musikalisch höchst wirkungsvoll nachzeichnet.

Wer also im Kino gerne auch einmal die Ruhe und einen stressfreien Erzählfluss genießt, für den wird CHOCOLAT sicher ein Vergnügen sein.

 

 

 

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