Die Asche meiner Mutter

 

Wissen Sie, liebe Film- und Theaterfreunde, eigentlich, warum soviel öfter negative Kritik geübt wird – nicht nur auf dem Kunstsektor sondern z.B. auch in der Politik – und verhältnismäßig selten zustimmende bis euphorische ? Abgesehen vom größeren Aufmerksamkeitswert negativer Äußerungen liegt das wohl u.a. daran, dass bei einer ablehnenden Haltung, die Option wie man etwas besser machen könnte, zumeist unbeantwortet bleibt. Bei einer Zustimmung offenbart man sich allerdings eindeutig und das setzt 1. voraus, dass man einen Standpunkt hat und 2. dass man denselben auch vertritt.

Ich gehe an dieser Stelle gleich einmal mit gutem Beispiel voran und empfehle Ihnen den Alan-Parker-Streifen "Die Asche meiner Mutter". Parker hat hier den autobiografischen Roman des Iren Frank McCourt verfilmt, der seit seinem Erscheinen im Jahr 1996 mehr als sechs Millionen Mal über den Ladentisch gegangen ist und für den McCourt mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde.

"Wenn ich auf meine Kindheit zurückblicke", so McCourt," dann frage ich mich, wie ich überhaupt überlebt habe. Natürlich hatte ich eine unglückliche Kindheit, aber schlimmer als eine unglückliche Kindheit ist eine unglückliche irische Kindheit und noch schlimmer ist eine unglückliche irische katholische Kindheit". Dem wäre, bei allem was man an katholischem Fundamentalismus aus Irland zu hören bekommt, eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Man muss aber dennoch erläutern, dass sich Film wie Roman nicht bei einer wohlfeilen Beschreibung dieses klerikalen Irrsinns aufhalten, nein, es darf in diesem Film, der das finsterste Elend einer Familie und ihrer Mitglieder im Pendelverkehr zwischen Amerika und Irland und wieder zurück, auch gelacht werden, wenn auch zumeist unter Tränen, die noch nicht getrocknet sind.

Ich gebe zu bedenken, dass es sich bei dem Film "Die Asche meiner Mutter" nicht um blankes Amüsement handelt, dafür wird man aber durch den Sog entschädigt, der einen unwiderstehlich in die Geschichte hinein zieht und durch die Magie einer handverlesenen Anzahl von Schauspielern, die die Figuren nicht spielen sondern leben. Allen voran Emily Watson als Mutter der Familie, sodann Robert Carlyle als deren trunksüchtiger Ehepartner und die Darsteller des Sohnes Frank McCourt im Alter von 6, 13 und 17 Jahren.

Im Zuge eingangs beschriebener Negativ-Kritik wird Alan Parker da und dort voyeuristische Lust an irischer Slum-Beschreibung und deren filmische Ausbeutung im Stile Hollywoods vorgeworfen. Ich kann diese Bewertung nicht teilen.

Das höchste Kompliment, das ich einem Film nach 40 Jahren Beschäftigung mit diesem Medium machen kann, ist, dass ich vergesse, "NUR" im Kino zu sitzen. Das ist bei diesem Film eingetreten.

 

 

 

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