Das Tribunal / Hart´s War

 

Es ist nichtgerade üppig was dem Filmfreund in diesen Tagen auf den Gabentisch gelegt wird. Aber auch das hat sein Gutes denn dann kann sich der Kinobesucher auch einmal um Neustarts kümmern, die er möglicherweise unter anderen Umständen ausgelassen hätte, sei es der Besetzung wegen, der es scheinbar an Attraktivität mangelt oder wegen eines Inhalts, zu dem man sich sonst nicht hingezogen gefühlt hätte und ich kann mir denken, dass Filme, in denen Wehrmachtsunifor-men das Bild bestimmen, in diese Kategorie gehören könnten.

Nun läuft aber gerade aus diesem Genre ein Film in unseren Kinos an, der aus der üblichen Schablone herausfällt. Sein Titel: „Das Tribunal“. Nicht pulverdampf-umnebeltes Schlachtgetümmel oder filmblut-beschmierte Statisten füllen die Leinwand sondern – nach kurzer Vorgeschichte – ein Kriegsgefangenenlager der Nazis, hier wird es als das Lager VI A in der Nähe von Augsburg beschrieben, in das einige Neuzugänge eingeliefert werden. Da wäre einmal der junge Senatorensohn Thomas Hart, der durch einen selbstverschuldeten Zufall in die Fänge der Deutschen geraten ist und die beiden dunkelhäutigen Piloten der berühmten Tuskagee-Fliegerstaffel, Lt. Lincoln Scott und Lt. Lamar Archer.

Die beiden werden nicht gerade mit offenen Armen in Empfang genommen, denn unverhohlener Rassismus war 1944 in Amerika durchaus an der Tagesordnung. Damals gab es in den USA noch Busse oder Restaurants – von Schulen ganz zu schweigen – die nicht von Weißen und Schwarzen zugleich besucht werden durften und so machen auch einige der GI´s in Lager VI A keinerlei Hehl aus ihrer rassistischen Gesinnung. Sgt. Bedford z.B. Er attackiert die beiden farbigen Fliegeroffiziere nicht nur, er sucht – und findet – auch willige Helfer, die bereit sind, einen der beiden, nämlich Lt. Archer, umzubringen. Doch als dieser schließlich tot aufgefunden wird, ist auch Bedford nicht mehr unter den Lebenden und der Tatverdacht fällt auf Lt. Scott. Zur Aufklärung der Todesfälle setzt der ranghöchste Lagerinsasse, Col. McNamara, beim deutschen Kommandanten durch, dass die Inhaftierten selbst Nachforschungen anstellen und Gericht halten dürfen und Thomas Hart, der junge Senatorensohn mit zwei Jahren Jus-Studium wird von Col. McNamara aufgefordert, die Verteidigung von Lt. Scott zu übernehmen und dessen Nachforschungen führen schließlich zu einem überraschenden Ergebnis zugunsten des Angeklagten.

Regisseur Gregory Hoblit hat nach dem Drehbuch der beiden Autoren Bill Ray und Terry George einen spannenden und sehenswerten Film gedreht, in dem Bruce Willis als Col. McNamara wieder einmal zeigen kann, welche außerordentliche Schauspieler-Persönlichkeit unter der Action-Star-Kruste stets ungenutzt blieb. Ohne großes Star-Spektakel um sich selbst zu veranstalten, überlässt Willis das Feld seinem jungen Kollegen Colin Farrell – er spielt Thomas Hart – in diesem fast kammerspielartigen Drama. Bemerkenswert ist außerdem, dass in diesem Film die in US-Filmen mit Nazi-Thematik übliche dümmliche Darstellung von deutschen Militärs zugunsten einer ausgereifteren Dramaturgie ausbleibt.

Wer sich also durch die Mitwirkung von Bruce Wills irgendein plumpes Action-Spektakel erwartet, wird ebenso enttäuscht sein, wie diejenigen, die hinter dem deutschen Titel „Das Tribunal“ einen der üblichen Gerichtssaal-Thriller vermuten.

„Das Tribunal“ oder im englischen Original „Hart´s War“ ist ein überdurchschnittlicher Film, der ausschließlich von der Qualität seines Drehbuchs, der Kunst seines Regisseurs und seines Kameramannes und der Faszination seiner Schauspieler getragen wird. Und das ist heutzutage ein hohes Prädikat, das Seltenheitswert hat.

Ich kann „Das Tribunal“ daher nur denen bestens empfehlen, die einen handgemachten Film zu schätzen wissen.

 

 

 

 

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