DER FALL MONA Mona Dearly ist tot. Abgesoffen mit einem Kleinwagen der Marke “Yugo” in den ersten 5 Minuten der Krimi-Komödie „Der Fall Mona“. Der Tritt auf die Bremse geht ins Leere. Die schäbige Karosse schießt über die Leitplanke. Direkt in den Fluss. Aufatmen in der Kleinstadt. Kein Spur von Trauer. Der Name „Dearly“ bedeutet in der deutschen Übersetzung zwar so etwas wie „Liebling“ aber vor einer so herzlichen Anrede war Mona zeit ihres Lebens absolut sicher. Sie war eine Hyäne, eine Nervensäge, eine adrenalin-getränkte Mischung aus Rocky und Terminator. Und diese Mona wird von Bette Middler gespielt. Nach fünf Filmminuten bereits in den ewigen Jagdgründen ?, fragt sich der kundige Filmfreund. Bette Middler ? Das kann doch nicht alles gewesen sein ! Und das war´s auch nicht. Rückblenden folgen. Eine auf die andere. Was sie und ihr Satellit, Ehemann Phil – Marke: Intelligenz-Quotient unterhalb der Körpertemperatur – angestellt haben. Was ihr Sohn, der ständig im Bierrausch daher lallende Jeff, auf dem Kerbholz hat. Und so weiter und so fort. Das Portrait eines amerikanischen Provinznests unweit von New York rollt sich am Beispiel dieser Familie zum Knutschen vor dem verblüfften Zuschauer auf. Ach richtig ! Da ist ja auch noch die örtliche Polizei mit im Spiel ! Auch deren Intelligenz-Niveau nicht gerade beispielgebend. Wäre da nicht der „Laufende Meter“. Sein Name: Danny de Vito. Ihm ist nach ca. 80 Filmminuten schließlich auch die Klärung dieser kuriosen Mischung aus Krimi und schräger Komödie zu danken. Bette Middler habe ich als Trägerin der Titelrolle bereits erwähnt. Aber da schieben sich noch eine ganze Reihe von anderen Typen ins Bild, die allesamt den tödlichen Mut zur Selbstauf-opferung auf ihre Fahnen geschrieben zu haben scheinen. Denn so grandios verschlampt, versoffen und treffend provinziell-dumpf kann nur eine Schar exzellenter Darsteller agieren. Jamie Lee Curtis als Fast-Food-Kellnerin mit ausgefranstem Haar-Helm z.B. oder der erstaunliche Marcus Thomas als Söhnchen Jeff, ein Feind jeder vollen Bierflasche. Er hatte sich für diese Rolle extra 15 Kilo angefressen !! Als Barkeeper der Kleinstadt-Kneipe Hideaway zeichnet der Schauspieler Mark Pellegrino exakt den Typus des übernächtigen, verschwitzten, zu allen kleinen Übeltaten bereiten Provinz-Impresarios. Und gäbe es bereits Filme mit entsprechender Geruchskulisse, man möchte keinen der Hauptdarsteller vor die Nase gesetzt bekommen. Ausgenommen vielleicht Neve Campbell als schwangere Danny-de-Vito-Tochter, die zuguterletzt mit weißem Kitsch-Kleidchen den jungen Mann im zuckerlfarbenen Hochzeits-Frack ehelicht, der über die meisten der Filmminuten unter Tötungsverdacht gestanden ist. „Der Fall Mona“, läuft dieser Tage glücklicherweise ohne Duft-Panorama in unseren Kinos an und bietet harmlose aber gleichwohl köstliche Unterhaltung.
|
||
Zurück zu Film der Woche Index
|