DIE GOTTESANBETERIN

 

Als vor einiger Zeit die Wiener Hausfrau Elfriede Blauensteiner endlich ihre ersehnten öffentlichen Auftritte hatte und durch die Untersuchungen des Gerichts nach und nach offenbar wurde, dass die „schwarze Witwe“ ihre Basiskenntnisse von diversen Arzneimitteln zu nützen wusste, um männliche Zeitgenossen in ihrer Umgebung zum eigenen Vorteil vom Diesseits ins Jenseits zu befördern, dachte sich wohl jeder Cineast, dass dies eine grandiose Story für einen Film abgeben müsste. Selbst Lady Blauensteiner war davon überzeugt – und ist es vielleicht auch heute noch – denn sie ließ verlauten, dass kein Geringerer als Steven Spielberg ihr Leben verfilmen wolle.

Nun, ganz so weit ist es denn doch noch nicht gekommen. Aber Paul Harather, österreichi-scher Regisseur mit Wohnsitz nahe Steven Spielberg in Los Angeles, hat sich immerhin von diesem aufsehenerregenden Kriminalfall inspirieren lassen und gemeinsam mit zwei Autorinnen, Susanne Freund und Gerda Grossmann, ein Drehbuch verfasst, dass von einer Frau handelt, die mittels Medikamenten Kahlschlag am männlichen Geschlecht betreibt.

Christiane Hörbiger spielt diese Trixi Jancik und sie spielt sie mit dem vollen Einsatz, den man bei ihr stets voraussetzen kann. Ja, sie geht diesmal noch darüber hinaus, indem sie auf Schminke verzichtet, innerlich wie äußerlich, und mit Grandezza ihr weithin bekanntes Serien-Image von den „Guldenburgs“ bis zur „Julia“ durch radikale Uneitelkeit in die Bestandteile zerlegt.

Leider nützt es dem Filmprojekt insgesamt nur insofern als es in der Hörbiger eine hervorragende Protagonistin hat. Das Drehbuch führt allerdings nach durchaus vielver-sprechendem  Beginn in der Tristesse eines horrorhaften Ehelebens durch derart irrwitzige Serpentinen, dass man meinen könnte, das Drehbuch stamme nicht von den genannten Herrschaften sondern aus den schmalztriefenden Hirnen von Schreiberlingen sogenannter Frauen-Zeitschriften. Da wird weder auf den Auftritt eines devoten Peitschenbubis verzichtet noch auf den schönen Mann hoch zu Ross und dabei wurde wohl aus den Augen verloren, dass sowohl Tragödie wie Komödie ihre wahre Wirkung ausschließlich aus der Nähe zur Realität beziehen und aus der daraus resultierenden Nachvollziehbarkeit.

So gesehen wird es wohl mit dem Kribbeln im Bauch, das sich Regisseur Harather bei seinem Publikum deshalb wünscht weil er suggerieren möchte, dass man vielleicht „ in Todesgefahr lebt und es nicht einmal weiß“, nicht allzu viel werden.

 

 

 

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