Die letzte Festung

 

Seit dem 11. September hat man im Fernsehen jede nur denkbare Hymne auf die amerikanische Nation gehört und das war im Zusammenhang mit dem verbrecherischen Anschlag auf die Twin Towers in New York und das Pentagon in Washington durchaus nachvollziehbar.

Nunmehr hat patriotisches Pathos auch im Kino Konjunktur wie seit Roland Emmerichs „Independence Day“ nicht mehr.

Um dies in entsprechende Bilder umzusetzen, hat sich Regisseur Rod Lurie des Drehbuchs von Schriftsteller David Scarpa bedient, in dem es um einen Helden und seinen Widersacher geht. Was die Sache kompliziert, ist der Umstand, dass der Held im Gefängnis sitzt und sein Kontrahent ausgerechnet der Direktor dieses Militär-Knasts ist. Wie kam es dazu ?

General Eugene Irwin ist ein hoch dekorierter Kriegsheld der amerikanischen Armee, der aber wegen des Vergehens der Befehlsverweigerung mit Todesfolge für eine Anzahl von Soldaten zu einer hohen Haftstrafe verurteilt wurde. Um den 129 Minuten langen Film nun nicht sofort dem Höhepunkt zustreben zu lassen, verhält sich Gefängnisdirektor  Colonel Winter seinem ranghöheren Insassen gegenüber zunächst durchaus respektvoll. Als dieser jedoch die Augen vor den erniedrigenden und sadistischen Methoden des sich allmächtig dünkenden Direktors nicht mehr verschließt und beginnt, Mitgefangene um sich zu scharen und Protest gegen die katastrophalen Heftbedingungen anzumelden, wird aus der anfänglichen Achtung blanker Hass und die Story treibt unwillkürlich dem großen showdown entgegen....

 

Wie bereits erwähnt, hat Schauspieler und Regisseur Rod Lurie dieses patriotische Hohelied auf einen angekratzten aber unbeugsamen Kriegshelden inszeniert und dabei natürlich auch eine Besetzung gefunden, die vom Image her nicht idealer sein könnte. Robert Redford spielt diesen überirdisch stilisierten Heroen, der so vor selbstloser Mannhaftigkeit strotzt, dass ihn jeder Kinobesucher unter Einsatz des eigenen Lebens aus dem Knast befreien möchte.

Fragt sich nur, wie der sonst doch so kritische Robert Redford wohl das Drehbuch gelesen haben mag. Da diese salbungsvolle Salbaderei gegen Ende des Films sicher nicht zu überlesen war, bleibt ein wenig Verwunderung über die sonst so glaubhaft vorgetragene Haltung Redfords.

Das Charakterschwein von einem Knast-Despoten  gibt der in dieser Woche gleich doppelt zu bewundernde Schauspieler James  Gandolfini. In „Die Letzte Festung“ wie im ebenfalls in dieser Woche anlaufenden Film „The Man Who Wasn´t There“ ist er plötzlich im Mittelpunkt des Interesses und tritt aus dem Schatten des typengerechten italo-amerikanischen Nebenrollen-Brutalos ins volle Rampenlicht der Stars. Zurecht, wie man bewundernd anerkennt.

Was „Die Letzte Festung“ letzten Endes doch ansehbar macht, ist einerseits die grandiose Fotografie von Shelly Johnson und andererseits die ausgezeichneten Leistungen aller Akteure, von den Protagonisten bis zum Kleindarsteller. Und das ist als Empfehlung sicher nicht wenig.

 

 

 

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