Der talentierte Mr. Ripley

Mit Literatur-Verfilmungen ist es so eine eigene Sache. Jeder, der ein Buch gelesen hat, hat die Rollen mit den seiner Phantasie entsprechenden Typen besetzt, er hat Spielplätze – im Filmsprach-Gebrauch "Locations genannt – erfunden, kurz: Er hat sich seinen eigenen Film zurecht geträumt. Und nun kommt jemand daher, der dies seinerseits getan, es darüber hinaus mit einer Kamera festgehalten hat und es im Kino sogar herzeigt. Das KANN gut gehen, MUSS aber nicht.

Auch der Roman, der hier im Mittelpunkt steht, ist bereits einmal verfilmt worden. Unter dem Titel "Nur die Sonne war Zeuge" hat Regisseur Rene Clement den Krimi "Der talentierte Mr. Ripley" von Autorin Patricia Highsmith im Jahre 1960 mit dem jungen Alain Delon in Szene gesetzt.

Und damals –so erinnere ich mich – war man besonders über die scheinbare Abwesenheit von erzieherischer Moral – also: dem erhobenen Zeigefinger - schockiert. Oder gab sich zumindest so. Dass der Übeltäter nicht seiner für gerecht gehaltenen Strafe zugeführt wurde, war für diejenigen, die Sühne mit drakonischer Vergeltung gleichsetzen, nur schwer erträglich.

Regisseur Anthony Minghella, bekannt geworden mit dem Film "Der englische Patient, hat, als er ein Remake dieses Stoffes plante, natürlich zurecht damit spekuliert, dass dies im Jahr 2000 kein gravie-render Kritikpunkt mehr sein könne. Über das Sprichwort, dass Verbrechen sich NICHT lohnt, wird heute bereits im Kindergarten gelacht. Das ist sicher nicht lustig, gleichwohl aber eine Tatsache, die die tägliche Ausgabe der Nachrichten unter Beweis stellt.

Dickie Greenleaf, der Sprössling eines reichen amerikanischen Reeders hat Gefallen am dolce vita in Italien gefunden und verprasst dort einen großen Teil des Familien-Vermögens. Daher wird der Lebenskünstler Tom Ripley vom Vater des Nichtsnutz Richtung Europa in Marsch gesetzt, mit dem Auftrag, den verlorenen Sohn wieder in den Schoß der Familie zurück zu holen. Doch auch Tom Ripley kann sich dem Sog eines Lebens in Saus und Braus nicht entziehen. Er freundet sich mit seinem Opfer an und eröffnet ihm sogar seinen Auftrag. Doch Komplikationen sind in einem Krimi von Patricia High-smith vorprogrammiert und so kommt es schließlich zu einem Kampf zwischen Dickie Greenleaf und Tom Ripley – mit schwerwiegenden Folgen....

Matt Damon ist Anthony Minghellas Star und man muss ihm zugestehen, dass er sich aus dem Schatten seines Vorgängers in der Rolle des Mr. Ripley – und das ist immerhin kein Geringerer als Alain Delon – durchaus zu lösen vermag. Matt Damon ist keiner dieser Superstars, die die Welt um sich rotieren lassen und ein ganz spezifisches Image zu bedienen haben und genau dieser Umstand gerät hier zu seinem Vorteil und eröffnet ihm die Möglichkeit, glaubhaft zu dem bösartigen Veränderungskünstler zu mutieren, der ihm durch die Rolle vorgeschrieben ist. Oscar-Preisträgerin Gwyneth Paltrow als Dickies Geliebte Marge ist nett anzusehen. Sie und Jude Law als Dickie Greenleaf komplettieren ein hochklassiges Ensemble, das in mehreren Kategorien für den Golden Globe und für den OSCAR nominiert worden ist. "Der talentierte Mr. Ripley". Ein Psycho-Krimi der Güteklasse 1a, den ich auch allen Freunden subtiler Schauspielkunst durchaus empfehlen kann.

 

 

 

 

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