Durchgeknallt

Unter diesem schrecklichen und nach modischer Prolo-Komödie klingenden deutschen Titel läuft dieser Tage ein Film in unseren Kinos, der im Original "Girl, Interrupted" also: "Mädchen, unterbrochen oder verständlicher: Mädchen, gestört" heißt.

Die Geschichte basiert auf dem wahren Fall der Schriftstellerin Susana Kaysen, die offenbar im zarten Alter von 17 Jahren keinen Sinn mehr im Leben sehen konnte und sich auf einigermaßen dilettantische Weise ins Jenseits befördern wollte.

Man schreibt das Jahr 1967 und im damals wie auch heute noch unvermindert Psychiater-hörigen Amerika, sehen die Eltern im Verband mit ihrem Seelen-Quacksalber keine andere Wahl als das Mädchen in ein Sanatorium einzuweisen, in dem seine angebliche Persönlichkeitsspaltung behandelt und geheilt werden soll. An diesem neuen Ort der Handlung angekommen führt uns Regisseur James Mangold gleich einmal die ganze Palette psychischer Erkrankungen vor, die in die Kürze der Spielfilmdauer hineinzupacken sind.

Da gibt es Polly, die sich mit Benzin abfackeln wollte, die zwanghaft magersüchtige Janet, Georgina, die in einer Scheinwelt lebt, außerdem noch Daisy, die verwesende Brathühner in ihrem Zimmer hortet und schließlich Lisa, die renitente exaltierte Aufsässige.

Zwischen ihr und der Titelheldin Susanna entwickelt sich so etwas wie eine symbiotische Freundschaft und Abhängigkeit, die schließlich in einer gemeinsamen Flucht aus dem Sanatorium gipfelt. Aber genau dort, in der vermeintlichen Freiheit, entdeckt Susanna, dass Lisa, ihre beste Freundin, der eigentliche Hemmschuh auf dem Weg zu ihrem eigenen seelischen Gleichgewicht ist.

Filme, deren Inhalte sich in und rund um Psychiatrische Anstalten abspielen, sind natürlich nichts Neues. Schon gar nicht in Amerika, wo der Gang zum Seelen-Klempner so gang und gäbe ist wie das Mittagessen beim Fastfood-Dealer. Milos Formans Meisterstück "Einer flog über das Kuckucksnest" hat für dieses Genre ja bereits 1975 die bisher unerreichte Bestmarke gesetzt. "Durchgeknallt" kommt allerdings schon ziemlich nahe an das große Vorbild heran. Und das liegt ganz entscheidend an den Trägerinnen der Hauptrollen. Wynona Ryder hat mit ihrer Verkörperung der Susanna ein so intensives Maß an schauspielerischer Eindringlichkeit erreicht, dass man sie ohne jeden Zweifel zur allerersten Garde junger amerikanischer Schauspielerinnen zählen muss. Und die Angelina Jolie, gerade vor wenigen Wochen mit dem Oscar für die beste Nebenrolle in eben diesem Film ausgezeichneter Shooting-Star, steht ihr in keinem Belang nach. Dazu kommt in der Besetzung noch die hier ausnahmsweise sehr dezent agierende Whoopie Goldberg als Krankenschwester und als Chefin des Sanatoriums: die große englische Lady Vanessa Redgrave.

"Durchgeknallt" ist also trotz seines erschreckend dummen deutschen Titels ein wahres Fest für die Filmfreunde, die sich an einem Feuerwerk schauspielerischer Glanzleistungen erfreuen können.

 

 

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