Mittlerweile kann man immerhin darüber spekulieren, dass auch diese Brosnan-Drohung ein besonders gefinkelter Trick der Bondschen PR-Maschinerie gewesen ist, aber er zeigte Wirkung und siehe da: Kaum geduldet man sich 2 Jahre schon ist er wieder auf der Leinwand. Geschüttelt und nicht gerührt. Die neue Ausgabe wartet allerdings mit einigen positiven Überraschungen auf. Zum einen hat man sich darauf besonnen, dass in Filmen auch so etwas wie eine Handlung nicht schadet, die dann im Falle von Bond zu Explosion und Erektion führen soll und weiters hat man diesmal darauf verzichtet, Darsteller weiblichen Geschlechts nur als optische Aufmacher in jede denkbare Stellung zu bringen. Das hätte die Französin Sophie Marceau sicher auch nicht mit sich geschehen lassen, dazu ist sie eine viel zu profilierte Ausnahmekönnerin. Sie spielt Elektra King, die Tochter des Unternehmers Sir Robert King, der sich als einer von vier Bewerbern um die Schürfrechte von Ölfeldern im Kaspischen Meer bemüht. Bei einem Bombenanschlag in London stirbt er allerdings und Bond James Bond wird von seiner Dienststelle mit der Aufklärung des Mordkomplotts beauftragt. Stets an seiner Seite: Elektra. Und das wäre fast der Grund dafür, dass der schmucke Aufklärer diesmal zweiter Sieger geworden wäre. Denn die Ränke von Elektra sind ebenso raffiniert wie bösartig. Dies wiederum wird Bond von einer echten Bond-Schönheit zugeraunt, der allerliebsten Denis Richards, die nirgendwo sonst als bei Bond als Nuklear-Exertin durchginge. Dieser 20. Bond "Die Welt ist nicht genug" der Titel bezieht sich übrigens auf die Inschrift des Bond´schen Familienwappens, zu sehen in "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" - besticht ansonsten durch eine klare Dramaturgie, durch Spannung, eine gehörige Portion britischen Humors, selbstverständlich auch durch eine Reihe von action-geladenen Spezial-Effekten und nicht zu vergessen - durch eine Besetzung, die mit wirklichen Schauspieler-Größen nicht geizt. Zu nennen sind neben Brosnan und der Marceau noch: Lady Judi Dench, der unvergleichliche John Cleese, der großartige Bösewicht Robert Carlyle und der nicht minder brillante deutsche Schauspieler Claude-Oliver Rudolph als russischer Finsterling Asakievich. Und so wird auch mit dieser neuen Bond-Definition eine Erkenntnis immer unausweichlicher: Die Zeit der stumpf und stereotyp dreinhauenden Kraftmeier scheint als Film-Mode endlich ausgedient zu haben. Man trägt wieder Sensibilität, auch als Film-Mann. Es muß ja nicht gleich der streichelweiche Goldbub von der Titanic sein.
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