DIE ZAUBERHAFTE WELT DER AMELIE „Die zauberhafte Welt der Amelie“ ist ein wunderbarer Film. Versponnen, voller liebenswerter Typen und Überraschungen und mit einer Hauptdarstellerin, deren zauberhaften Charme man sich kaum entziehen kann. Aber man muss Ruhe und Bereitschaft mitbringen, um sich auf einen so märchenhaften Film einlassen zu können. Das ist kein filmisches fast-food, das ist Poesie und Märchen pur, verbunden mit der Sehnsucht, die Welt doch auch durch Amelies Augen sehen zu können. Oder durch die ihres Schöpfers, des Drehbuch-Autors und Regisseurs Jean-Pierre Jeunet. Amelie lebt in Paris, dort wo es am heimeligsten und romantischsten ist, am Montmartre. Und sie hat die Fähigkeit, die Welt um sich herum zu verzaubern und – so wünschen wir es uns doch alle – ein wenig gerechter zu machen. Da werden Gartenzwerge lebendig und gehen auf Weltreise, da nehmen Bettler am Feiertag keine Almosen entgegen, da wird ein Widerling so lange mit Streichen gefoppt bis er kapituliert, da nehmen Pferde an Radrennen teil, da wird eine verstaubte Dose mit Kinderspielzeug zum Auslöser für eine Phantasie-Offensive, die man im Kino bisher so noch nicht erlebt hat. Und im Zentrum des von Regisseur Jean-Pierre Jeunet geträumten Geniestreichs, Audrey Tautou, eine Kindfrau, deren leuchtende Augen etwa ein Drittel ihres Gesichts ausmachen und in denen sich diese versponnene Welt voller Skurrilitäten und höchst liebenswerten Ereignissen spiegelt. Eine Pipi Langstrumpf für Erwachsene, die sich viel kindliches Staunen in ihren Herzen bewahren konnten. Frankreich hat eine lange Tradition in Filmen, in denen sich Postkarten-Charme mit der tänzerischen Leichtigkeit der Akteure paart. Bereits in den 50-er und 60-er Jahren tanzte der Schauspieler Jean-Pierre Cassel durch eine Reihe von Filmen, in die diese Zutaten verarbeitet waren. Und es ist mit Sicherheit ein purer Zufall, dass der, der diesen filmischen Stil zum vorläufigen, gefeierten Höhepunkt gebracht hat denselben Vornamen trägt: Jean-Pierre, mit Nachnamen : Jeunet. Ich denke, man wird sich diesen Namen nicht mehr merken müssen, denn nach Besichtigung dieses Kultfilms wird man ihn ohnehin nie mehr vergessen.
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