END OF DAYS

NACHT OHNE MORGEN

Zuerst die gute Nachricht:

Arnold Schwarzenegger hat die zwei Herzoperationen, die ihn in den vergangenen knapp drei Jahren vom Filmset fernge-halten haben, offenbar gut überstanden.

Öffentliche Auftritte mit qualmender Zigarre und gnadenlos guter Laune im Scheinwerferlicht der Promotiontour für END OF DAYS sollen diesen Eindruck festigen. Das ist Überle-benstraining nach Art des amerikaninschen Filmbusiness. Nur wer vor Gesundheit strotzt und allzeit karibikgebräunten Charme zu versprühen in der Lage ist, darf sich der spekula-tiven Aufmerksamkeit der Studio-Bosse erfreuen.

Das gilt natürlich besonders für einen, der einst als STYRIAN OAK – die STEIRISCHE EICHE – ins Feld gezogen war und als offizieller Gesundheitsapostel der Präsidentschaft von George Bush auch jenseits von Posing-Bühnen und Termina-tor-Schlächtereien von sich reden machte, also für einen, der nicht unbedingt für seine schauspielerischen Qualitäten welt-berühmt wurde.

Die weniger gute Nachricht:

Arnold Schwarzenegger hat sich zum Ende des Jahrtausends auf das wenig intelligente – um nicht zu sagen: infantile - von allen möglichen Apokalypse-Propheten angekündigte Endzeit-Szenario eingelassen und einen Film heruntergekurbelt, der ihn mit keinem geringeren als dem Pferdefüßigen, Satan höchstpersönlich, ins Gemenge geraten lässt. Dieser hat nämlich die unangenehme Angewohnheit, zum Ende eines jeden Jahrtausends – genau: eine Stunde vor Mitternacht – ein Jungfräulein zu schwängern, um mit dem aus dieser Vereinigung gezeugten Balg seine Herrschaft fürs jeweils folgende Milennium anzumelden.

Aber da sei Arnie vor, der hier als trinkfester Bodyguard "Jericho Cane" auftritt (allein der Namensanspruch sprengt schon alle Maßstäbe: Eine Melange aus biblischem Trompeten-Gewaber und weltlicher Anspielung auf das filmische Denkmal von Orson Welles). Er bekämpft den Fürst der Finsternis, der sich im trauten Ambiente einer Herren-toilette in den Body eines netten Geschäftsmanns gemogelt hat (Gabriel Byrne spielt ihn mit maliziöser Arroganz).

Klar, dass nach endlosen Filmminuten, in denen einzig Arnie´s steirisch-englische Wortfetzen stilles Vergnügen sichern, das Gute in Gestalt von Jericho Cane die Welt vor dem höllischen Desaster rettet. Arnie-Jericho im großen showdown vor einem Riesenaltar im verbalen Clinch mit dem Schöpfer zu mächtig wabernden Chören und lateinischem Wortsalat. Vor soviel Honig ums Maul von God´s own country muss selbst der Böse kapitulieren.

Merke, Arnie: Mit dem Teufel hat sich schon Goethes "Faust" eingelassen und schlussendlich draufgezahlt. Und mit "Faust" ist dort nicht einmal die körpergewaltige boxerische Fähigkeit gemeint.

Arnold Schwarzenegger möchte sich, so hört man, zu einem nicht näher fixierten Zeitpunkt für das Amt des kalifornischen Gouvernors bewerben.

Nach dem Kassensturz von END OF DAYS könnte diesem Vorhaben unvermutete Dringlichkeit beschert sein.

 

 

 

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