Gegen jede Regel Wenige Stunden ist es her, dass die 73. Oscars in Los Angeles vergeben wurden. „Remember The Titans“ /“Gegen jede Regel“ war nicht dabei. Das verwundert bei der Themenstellung nicht besonders. Die Amerikaner betreiben schon recht gerne Nabelschau aber sie darf keinesfalls ans Eingemachte gehen. Und außerdem heißt der Produzent dieses Films Jerry Bruckheimer. Berühmt und berüchtigt geworden mit Firlefanz vom Stile „Beverly Hills Cop“ und Krawall von „Top Gun“ bis „Armageddon“. Und dieser hemdsärmelige Holzfäller nähme sich neben den nominierten Feingeistern aus wie der Wolf im Hühnerstall. Dennoch hätte der Film „Gegen jede Regel“ das Potential für eine Nominierung. Einerseits wegen seiner Story, andererseits wegen seiner Darsteller. Man schreibt das Jahr 1971. Es ist erst drei Jahre her, dass Martin Luther King sein Leben lassen musste für den Traum des friedlichen Miteinanders von Schwarz und Weiss. Studenten-Unruhen und der Protest gegen den Vietnam-Krieg erschüttern Amerika. Vor diesem Hintergrund fällt das Kultusministerium in Alexandria, im Bundesstaat Virginia eine geradezu revolutionäre Entscheidung. Schwarze und weiße Schüler dürfen die Schulbank gemeinsam drücken. Und damit nicht genug. Der dunkelhäutige Football-Coach Herman Boone ersetzt den nicht sehr erfolgreichen weißen Trainer Bill Yost. Sprengstoff genug, um daraus einen Spiegel der amerikanischen Gesellschaft im Umbruch von Rassentrennung zu einem selbstverständlichen gemischtrassigen Miteinander zu machen. Aber leider ist diese Chance nur zum Teil genützt worden. Die Parabel vom Zusammenwachsen von Schwarz und Weiss am Beispiel einer Football-Mannschaft wird unversehens zum Sportfilm, in dem man um Sieg und Niederlage bangt. „Gegen jede Regel“ ist sicher ein sehenswerter Film, denn neben Denzel Washington als harter Trainer-Schleifer und seinem weißen Widersacher Will Patton brilliert noch eine ganze Riege von Darstellern, die in unseren Breiten völlig unbekannt ist aber ich bin ganz sicher, dass man von dem einen oder anderen noch sehen und hören wird. Ganz besonders von der kleinen Hayden Panettiere, die als Tochter des weißen Trainers Bill Yost eine geradezu unglaubliche Talentprobe abliefert. Wie gesagt, „Gegen jede Regel“ hätte ein ganz großer Film werden können. Aber im Film-Business wie im Sport gibt es eine eherne Regel und die heißt: Knapp daneben ist auch vorbei. Ob daran nun Regisseur Boaz Yakin die Schuld trägt oder die Disney-Produktion entzieht sich meiner Kenntnis.
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