Hundstage

 

Den Karikaturisten und profunden Kenner des Goldenen Wiener Herzens, Manfred Deix, hat man lange Jahre als Nestbeschmutzer und Verunglimpfer gegeißelt. Solange bis der überwältigende Erfolg, den er außerhalb der österreichischen Landesgrenzen genoss, zurück in die eigene Heimat zu wirken begann. Seither ist er DER Karikaturist und Zeichner, mit dem man sich gerne ziert. Denn schließlich hat er ja eh immer nur die „Anderen“ abgebildet.

Er steht damit also in der ehrenvollen Tradition mit so herausragenden Persönlichkeiten wie Helmut Qualtinger mit seinem „Herr Karl“ oder Thomas Bernhard mit dem Theaterstück „Heldenplatz“. Zunächst unflätig beschimpft, um übergangslos zum Klassiker geadelt.

Die Reihe der solchermaßen gescholtenen und verehrten Künstler dürfte sich mit dieser Woche um einen weiteren Namen erweitern.

Die Rede ist von einem Filmemacher namens Ulrich Seidl. Insidern längst ein Begriff als radikaler Enttarner walzerschwangerer Mozartkugel-Seeligkeit, stellt er sich jetzt dem Kino-Publikum mit seinem Episodenfilm „Hundstage“ und wie man nicht anders erwarten durfte, schont Seidl weder sich noch seine Akteure und das Publikum erst recht nicht.

In einem Wiener Vorstadt-Ambiente leuchtet er in seelische Abgründe, maskiert sie bis zur Kenntlichkeit und er tut das mit dem professionellen aber emotionslosen Blick eines Gerichtsmediziners. Stellvertretend sei etwa die Szene erwähnt, in der ein Zuhältertyp namens Wickerl von seinem Freund aufgefordert wird, die österreichische Nationalhymne mit einer brennenden Kerze im Hintern zum besten zu geben. „Volk, begnadet für das Schöne...“ lautet dazu eine der Textstellen, wie man weiß...

Allen selbsternannten Wiener Kulturverwesern, die jetzt gleich losrennen, um, wie seinerzeit am Burgtheater bei der Premiere von „Heldenplatz“, Misthaufen vor den Kinos abzuladen, in denen Seidls „Hundstage“ aufgeführt werden, sei geraten, sich das Ganze zuvor doch noch einmal gründlich zu überlegen. Das war damals schon eine Lachnummer, diesmal wäre die Blamage auch nicht geringer. Denn Seidls „Hundstage“ – so genannt, weil der Film am Wochenende während einer Sommerhitzewelle spielt – haben, wo immer sie bis jetzt gelaufen sind, jede Menge von Anerkennung gefunden. Etwa den „Großen Preis“ beim Film Festival von Bratislava oder den „Großen Preis der Spezial-Jury“ beim renommierten Film Festival von Venedig und Regisseur Seidl kann sich darüber freuen, bei den Europäischen Film Awards zur Regie-Entdeckung des Jahres 2001 gekürt worden zu sein.

„Hundstage“ sollte somit ein geneigtes Publikum finden und der Trailer will dazu gerne

 

 

 

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