Hurricane

Ein dunkelhäutiger Freund hat mir einst erklärt, warum, seiner Meinung nach, Schwarze öfter Opfer von Attacken eines weißen Pöbels aber auch von juritischen Fehlentscheidungen werden.

Erstens: Weil sie durch ihre Hautfarbe auch von den dümmsten Hohlköpfen schon auf den ersten Blick als potentielle Opfer ausgemacht werden können und zweitens: Weil selbst im Jahr 2000 der hirnverbrannte Unsinn immer noch in gewissen schlichten Gemütern Platz hat, dass sich hinter einer schwarzen Hautfarbe auch eine schwarze – sprich: gefährliche – Seele verberge. So denkt man sich hierzulande halt nichts dabei wenn man beispielsweise einem Herrn Omofuma bei der Abschiebung im Flugzeug den Mund verklebt. Was aus ihm wurde ist bekannt.

Und in Amerika gibt es als Beispielsfall das Schicksal des Boxers Rubin Carter, wegen seiner überfallartigen Attacken im Boxring auch "Hurricane" genannt.

Unter eben diesem Titel kommt jetzt ein Film in unsere Kinos, den man unter keinen Umständen versäumen sollte. Rubin Carter wurde im Jahre 1967 von einem durchwegs aus Weißen bestehenden Gericht im amerikanischen Bundesstaat New Jersey zu lebenslanger Haft verurteilt. Einer Schießerei in einer Bar waren drei Menschen zum Opfer gefallen und die örtliche Polizei brauchte unbedingt einen Fahndungserfolg. Was lag näher als Rubin Carter mithilfe der Falschaussage zweier gekaufter stadtbekannter Krimineller zu verhaften und zu verurteilen, obwohl direkte Zeugen des Geschehens Carter eindeutig als Täter ausgeschlossen hatten. Aber Carter hatte eben bereits einen beachtlichen Kriminalrekord auf seinem Kerbholz angesammelt und außerdem war er Anhänger des schwarzen Aktivisten Malcolm X und das allein war in den Sechzigern lebensgefährlich.

Während der Haft bildete sich Carter nicht nur juristisch, er verfasste auch seine Lebensgeschichte unter dem Titel "Die 16. Runde – vom Herausforderer Nr. 1 zur Nummer 45472". Dieses Buch schickte er an seinen "weißen Freund" Bob Dylan und von da an nahm die Geschichte eine Wendung, die Rubin Carter nach vielen Hürden und 19 Jahren Haft schließlich doch noch zur verdienten Freiheit verhalf.

Unter Anleitung des Regie-Titans Norman Jewison spielt Denzel Washington DIE Rolle seiner bisherigen Laufbahn (die Rolle des Steven Biko in "Schrei nach Freiheit" eingeschlossen). Inmitten eines Ensembles, das bis in die kleinsten Rollen mit eindrucksvollen Darstellern besetzt ist, glänzt er nicht nur durch seine darstellerischen sondern auch durch die boxerischen Qualitäten. Völlig zurecht wurde Denzel Washington für diese Leistung bei den Filmfestpielen in Berlin als Bester Schauspieler ausgezeichnet. Außerdem erhielt er den Golden Globe und eine sehr aussichtsreiche Nominierung für den OSCAR 2000.

Alles sehr gute Gründe, den Film "Hurricane" nicht achtlos vorüberziehen zu lassen.

 

 

 

 

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