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Johanna von Orleans Pünktlich zum neuen Jahrtausend kreiert Frankreich nicht nur seine Symbolfigur "Marianne" und besetzt sie mit dem Model Laetitia Casta. Auch die Nationalheilige Jeanne d´Arc, die heilige Johanna, erhält von Regisseur Luc Besson ein neues Gesicht. Auch in diesem Film ist es ein Covergirl, nämlich die Lóreal-Diva Milla Jovovic, das in den silbernen 20-Kilo-Harnisch schlüpft, das Schwert zur Hand nimmt und auf angeblichen Geheiß Gottes gegen den damaligen Erzfeind aus Britannien zu Felde zieht, um nach erfolgreicher Arbeit schnurstracks von den eigenen Kirchenfürsten an den Kriegsgegner ausgeliefert und auf den Scheiterhaufen geschickt zu werden. Da kannten die Glaubens-Monopolisten auch damals schon keinen Spaß mit der Nächstenliebe. Wenn man jedoch die Geschichte von der jungen Naiven nach mehr als 40 bereits erfolgten Versuchen u.a. 1948 mit der legendären Ingrid Bergman - wiederum auf Film bannt, dann ist zu erwarten, dass es da einen neuen Ansatz gibt, der dieses Unterfangen rechtfertigt. Schließlich sind Produktionskosten in der Höhe von 80 Millionen Dollar kein Pappenstiel wenn auch ein gutes Finanzpolster, um sich davon Stars wie Faye Dunaway, Dustin Hoffman und John Malkovich leisten zu können. (Nebenbei: Lauter Amerikaner im französischen National-Epos !!) Und ? War´s das schon ? Nicht ganz. Denn es wäre nicht der Besson, der "Nikita" oder "Das Fünfte Element" gedreht hat, wenn er auf den ganzen Devotionalien-Kitsch platt hereinfiele, der sich da im Laufe von knapp 600 Jahren auch durch diverse Filme angesammelt hat. Nein ! Er erlaubt sich sogar leise Zweifel an der sendungsbewussten Amazone und er kombiniert das Mystherienspiel um die unbefleckte Kämpferin mit den Zutaten der modernen Oberammer-Gauner wie z.B. George Lucas. Nicht immer ohne freiwillige Komik. Sagen wir´s mal so: Luc Besson macht es einem nicht ganz leicht, sich für seine Neufassung der "Heiligen Johanna" zu erwärmen. Sollten Sie allerdings an Historienschinken generell Gefallen finden, dann werden Sie auch hier auf Ihre Kosten kommen. Und wenn Ihnen der Gedanke sympathisch ist, dass es bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts wie zu allen Zeiten vor und nachher - starke und unbeugsame Frauen gegeben hat, die bereit waren, für eine große Idee sogar ihr Leben aufs Spiel zu setzen, auch dann werden Sie nicht enttäuscht sein. Sollten Sie allerdings zu jener Gruppe von Kinobesuchern zählen, die Ansprüche an eine ausgefeilte Ästhetik stellen und auch noch unter einer Sturzflut von Bildern unverzagt nach Inhalten fragen, dann wage ich einmal, leise an Ihrem Vergnügen zu zweifeln. Am besten wird es wohl sein, Sie bilden sich selbst Ihr Urteil und dazu ist ab jetzt in gutsortierten Premieren-Kinos Gelegenheit.
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