MOULIN ROUGE Liuebe Filmfreunde, ich bin ganz sicher, dass Sie im Laufe der letzten Wochen einmal Bekanntschaft mit einem ausgesprochen groovigen und von vier grandios-souligen Stimmen dargebotenen song gemacht haben. Die Älteren unter uns werden sich sogar noch an das Original erinnern. Aber schön der Reihe nach. Der song heißt „Lady Marmalade“ und wird in der neuen Auflage von einem außerordentlich erotischen Quartett mit Frontlady Christine Aguilera vorgetragen, das im entsprechenden Video zu bewundern ist. Der Vollständigkeit halber: Das Original aus den 70ern stammt von Patty LaBelle. Sollten Sie also diesen song gehört und das Video gesehen haben dann kennen Sie von unserem FILM DER WOCHE schon eine ganze Menge. Der Film heißt MOULIN ROUGE und das Produktions-Studio wirbt mit dem Slogan, Regisseur Buz Luhrman habe damit das Genre des Musical- und Varieté-Films wieder aufleben lassen und in eine zeitgemäße Form gebracht. Mit seinem Film „Strictly Ballroom“ hatte er ja dafür bereits viel versprechende Versuche unternommen. Mag sein, dass es eine zeitgemäße Form ist, moderne und weniger moderne Pop-songs an einander zu reihen und mit so rasenden Schnittfolgen zu operieren, wie sie üblicherweise beim Betrachten von MTV die Augen rotieren lassen und diesen Fonds mit vielen bekannten Zitaten aus legendären Kino-Erfolgen aufzugießen. Die Folge davon ist allerdings, dass dabei eine – auch nicht mehr ganz neue – Liebesgeschichte untergeht, die sehr deutlich an das Schicksal von Verdis Opernfigur Violetta in La Traviata erinnert. In Luhrmans MOULIN ROUGE betrifft sie im Wesentlichen drei Personen. Satine ist der Star des Erotik-Tempels MOULIN ROUGE und die exklusivste Kurtisane im Paris von 1900. Ihrem Ruf folgt „tous Paris“, um einen Blick auf sie und ihre appetitlichen Kolleginnen zu erhaschen. Aber eine teure Investition hat das MOULIN ROUGE an den Rand des Konkurses gebracht und nun sehen Impresario Zidler und sein Star Satine nur noch eine Möglichkeit, der neuen, teuren und Erfolg versprechenden Revue, verfasst von Henri Toulouse-Lautrec, zur Premiere zu verhelfen, wenn Satine ihrem notorischsten Fan, einem superreichen englischen Grafen zu Willen ist. Unter diesen Voraussetzungen würde dieser die Show finanzieren. Aber buchstäblich aus heiterem Himmel taucht da ein junger Poet auf, in den sich Satine Hals über Kopf verliebt und der in sie. Damit ist allerdings die geplante Rettungsaktion für die Finanzen des MOULIN ROUGE ganz nahe am Rande des Scheiterns... Nicole Kidman und Ewan McGregor sind die Stars von MOULIN ROUGE und wenn ich es mir hätte aussuchen können dann hätte ich ziemlich sicher auf die Kidman verzichtet. Die erotische Faszination, die ihr nachgesagt wird, kann ich nur schwer nachvollziehen und um ihre Varietee- und Musical-Künste ist es auch nicht gerade zum Besten bestellt. Ewan McGregor erfüllt hingegen alle an ihn gestellte Anforderungen in idealer Weise. Als gelernter Musical-Darsteller mit brillanter Stimme ist er schließlich auch entsprechend vorbelastet. Ich denke, dass es prinzipiell zweierlei Zielgruppen gibt, die ihre Freude an MOULIN ROUGE haben werden. Einmal diejenigen Kino-Liebhaber, die sich an der Rätselralley nach all den Zitaten beteiligen möchten, die Baz Luhrman in seinen Film verwoben hat und dann natürlich die MTV-Generation, deren Sehgewohnheiten bedient werden und die von Madonnas „Material Girl“ über den Joe Cocker-Klassiker „Up where we belong“ bis zu Christine Aguileras Cover-Version von „Lady Marmalade“ ein Medley der Popsongs von den 80ern und 90ern bis heute serviert bekommen. Ich wünsche dem Unternehmen dennoch den gebührenden Erfolg und eine volle Kasse.
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