| NUR NOCH 60 SEKUNDEN
So lautet der Titel unseres Films der Woche. Man könnte als Untertitel auch die Zeile wählen: Alles schon einmal da gewesen !! Im Jahr 1974 beispielsweise. Da schrieb und inszenierte der Stuntman H.B. Halicki nämlich den Film DIE BLECHPIRATEN und darin ging es wie könnte es anders sein um Autoklau in damals noch eher bescheidenem Umfang. Seitdem ist mehr als ein Vierteljahrhundert ins Land gegangen und auf der Suche nach Geschichten, von denen er sich den Mega-Erfolg verspricht, erinnerte sich der Krawall-Filmproduzent Jerry Bruckheimer auf sein Konto gehen u.a. Streifen wie THE ROCK, CON AIR und ARMAGEDDON wieder dieser story. Da wir aber mittlerweile die Jahrtausend-Marke überschritten haben und das Kinopublikum mit ein paar unfreiwillig den Besitzer wechselnden Nobelkarossen nach Einschätzung des Produzenten nicht zufrieden ist Dezenz ist Schwäche !!! hat das Trio infernal Bruckheimer, Regisseur Dominic Sena und Drehbuch-Autor Scott Rosenberg die Geschichte ordentlich aufgeblasen und Jetzt-Zeit-tauglich gemacht. Der Inhalt in Kurzform: Kip Raines (gespielt von Giovanni Ribisi) hat es sich mit einem finsteren Gangsterboss verscherzt und blickt einem freudlosen Leben bzw. sogar AB-Leben entgegen wenn es ihm nicht gelingt, innerhalb von 72 Stunden 50 Luxuskarossen zu stehlen und diese seinem sinistren Boss abzuliefern. Glücklicherweise hat Kip einen Bruder, der es im Fach AUTOKLAU bereits einmal zu zweifelhaftem Ruhm gebracht hatte, derzeit aber als Frührentner seiner Klasse lieber mit seinem Nachwuchs Go-Cart fährt. Randall "Memphis" Raines (dargestellt von Nicholas Cage) wird deshalb in höchster Not von ihm um Hilfe gebeten und muss sich nun entscheiden: Bleibt er seinem Schwur, nie wieder Autos zu knacken treu oder siegt die Bruderliebe ? Sie wissen, wie´s ausgeht ! Denn stellen Sie sich einmal vor, Nicholas Cage würde es vorziehen, mit seinen Kleinen doch lieber weiter im Kreis zu fahren. Nicht auszudenken !! Also stellt Randall in aller Eile eine Truppe aus entsprechenden Fachkräften zusammen. Das muss er auch, denn nur ganz ausgebuffte Elite-Knacker schaffen es, innerhalb von 60 Sekunden einen Mercedes, Porsche oder Ferrari in ihren Besitz zu bringen. Und das sollten sie nun einmal, denn so lautet schließlich der Titel des Films. Viel blitzender Chrom und glänzender Lack werden von Regisseur Dominic Sena fast wie in einem Werbespot in Szene gesetzt und inmitten von heulenden Polizei-Sirenen und quietschenden Reifen bei nimmer enden wollenden Verfolgungsjagden, zwischen blassen Rollen ohne Tiefgang und Dialogen, die nach Papier riechen, schafft es Nicholas Cage immerhin, etwas vom Zwiespalt zu erzählen, der sich in seinem Inneren auftut. NUR NOCH 60 SEKUNDEN. Ein Film für PS- und Blech-Freaks, denen sich beim Anblick eines 67-er Mustang-Shelby zumindest einmal die Pupille um ein Vielfaches vergrößert. Und das scheint mir eine ziemlich umfangreiche männliche Zielgruppe zu sein. Bruckheimers Konzept vom Super-Sommer-Knüller könnte so gesehen aufgehen.
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