ONE HOUR PHOTO

 

Ein neuer Regie-Star scheint sich in Amerika auf den Weg zu großen Erfolgen zu machen. Zumindest kann man das aus seinem Erstling schließen, der in den USA so gepunktet hat wie 1989 Steven Soderbergh mit „Sex, Lügen und Videos“. Wie Soderbergh schreibt auch er sich seine Drehbücher selbst. Sein Name ist Mark Romanek und sein Erstling kommt jetzt bei uns ins Kino: „One Hour Photo“. Der phänomenale Erfolg dieses Low Budget-Films wäre aber nicht denkbar ohne das Zutun eines Schauspielers, der zwar in Talkshows stets den unerträglichsten aller gewaltkomischen Zappel-Phillips abgibt, wenn es um die Wurscht geht, muß er aber wohl der disziplinierteste aller Darsteller sein. Anders ist es nicht zu erklären, dass Robin Williams mit Filmen überrascht wie „Der Club der toten Dichter“ oder „Good Will Hunting“, wofür er 1998 den Oscar erhielt. Überraschung ist auch das Stichwort für „One Hour Photo“.

Sy Parrish (Robin Williams) arbeitet in einem Supermarkt. Er nimmt die Filme der Kunden entgegen, entwickelt sie und kassiert bei Abholung.

Natürlich hat er seine Stammkunden. Dazu zählt insbesondere die hübsche Nina Yorkin, gespielt von der dänischen Schauspielerin Connie Nielsen, mit ihrem kleinen Sohn Jakob. Von den zahllosen Fotos, die er bereits für sie entwickelte, hat er stets Duplikate angefertigt, mit denen er bei sich, in seiner kahlen unwohnlichen Behausung, bereits eine breite und hohe Wand tapeziert hat. Sy Parrish, der spießige Einsiedler, die graue Maus, sehnt sich nach menschlicher Wärme, nach Zuspruch, nach einer Familie. Eines Tages gehen allerdings Fotos durch seine Hände, die eindeutig dokumentieren, dass der Ehemann von Nina, Will Yorkin, eine ziemlich heftige Affaire mit einer anderen Frau hat. Unvorstellbar für Sy Parrish, dass man sein familiäres Glück derart leichtfertig aufs Spiel setzt. Mittlerweile vom rüden Chef des Unternehmens gekündigt, ufert seine Obsession für Nina Yorkin endgültig aus und er schickt sich an, ein Kapitalverbrechen zu begehen....

Neben dem Drehbuch ist dem Regisseur Mark Romanek dafür zu danken, dass er einen sehr ruhigen Film daraus gemacht hat, in dem seine Darsteller Zeit finden, sich neben dem Dialog auch noch durch ihr Verhalten, ihre Blicke, ihr stummes Spiel zu definieren. Robin Williams nützt diese Gelegenheiten und macht dabei deutlich, welch ein großartiger Charakter-Darsteller er ist.

„One Hour Photo“ ist ein Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

 

 

 

 

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