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Shipping
News Wenn ein neuer Roman die Aufmerksamkeit eines internationalen Publikums erregt, kann man davon ausgehen, dass die Prominenz aus dem Filmbusiness auf der steten Suche nach abbildbaren Geschichten alsbald beim Autor auf der Matte steht, um sich um die Filmrechte zu bewerben. Schon gar wenn ein solcher Roman mit den höchsten Weihen durch den Nationalen Buch Preis der USA und die Verleihung des Pulitzer-Preises an den Autor oder die Autorin versehen wird. So geschehen mit dem Roman „Shipping News“ der Amerikanerin E. Annie Proulx. John Travolta war unter den Interessenten ebenso wie Kevin Spacey, der durch sanften Druck schließlich ans ersehnte Ziel gelangte. Spaceys Bedingung war allerdings, dass der Schwede Lasse Hallström die Regie übernehmen sollte, da er von ihm nach dessen Literaturverfil-mungen wie „Chocolat“ und „Cider House Rules“ überzeugt sein, dass er am ehesten in der Lage sei, dieser Novelle filmisch gerecht zu werden. Ob es nun ein guter Schachzug aller an den Deal Beteiligten war, den Vorstellungen Spaceys zu folgen, wird der geneigte Filmfreund im Kino selbst zu entscheiden haben. Mein Verdacht geht dahin, dass Spacey sehr wohl weiß, dass die Darstellung eines mental beeinflussten Charakters OSCAR-verdächtig ist – Beispiele wie die von Dustin Hoffman als „Rain Man“ oder von Russell Crowe als schizophrenes Mathematik.Genie in „A Beautiful Mind“ geben zu dieser vermutung Anlass – und da wollte er nicht aussen vor bleiben. Nur so kann ich mir erklären, dass er der Hauptfigur dieses Films, dem Journalisten Quoyle, der nach entscheidenden Schicksalsschlägen New York verlässt, um ins Land seiner Ahnen – nach Neufundland – zurück zu kehren und dort Berichte über anlegende Boote bzw. Schiffe und deren Besitzer zu verfassen, mit einer mental gestörten Attitüde ausstattet, zu der eigentlich nicht allzu viel Veranlassung besteht. Ich gestehe einem so bewussten Schauspieler wie Kevin Spacey immerhin zu, dass ihm diese Art der Darstellung absichtlich gewählt hat und sie ihm nicht etwa ohne Absicht unterlaufen ist. Und dann hätte ja spätestens auch noch Regisseur Hallström die STOP-Tafel hissen können. Wie also bereits angedeutet, die eigentliche Hypothek der „Schiffsmeldungen“ – so heißt dieser Film in der deutschen Fassung – ist sein Hauptdarsteller, der aber wiederum durch seinen Namen das Publikum an die Kinokasse lockt. Ein wenig schade, dass solche herausragenden Darstellerinnen und Darsteller wie Cate Blanchett, Judi Dench, Julienne Moore aber auch Peter Postlethwait damit auf teilweise verlorenem Terrain agieren, das Regisseur Hallström und sein Kameramann Oliver Stapleton ansonsten recht geschickt aufgebaut haben. Mit all den Wetter-Unbilden, die sich hoch über den neufundländischen Fjorden dramatisch ins Bild rücken lassen oder wie ein Haus, das mit dicken Schiffsseilen vertäut ist und Erscheinungen ihrer Ahnen, von denen Bunny , Quoyles halbwüchsige Tochter, in stürmischen Nächten heimgesucht wird. Und obwohl auch dieser Film schließlich auf sein Standard-Happy-End zuzusteuern scheint, lohnt es sich dennoch, ihn anzusehen. Denn alles in allem ist dieses Kleinstadt-Drama doch so wohltuend fern von den klischeehaften Hollywood-Erzeugnissen, zu denen sich auch die „Schiffsmeldungen“ hätten gesellen können, wären sie in andere Hände geraten.
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