Soweit die Füße tragen

 

Pünktlich zur kältesten Zeit des Jahres schickt ein deutscher Verleih einen deutschen Film in die Kinos, dessen Titel bei einem jüngeren Publikum möglicherweise Neugier, bei einem älteren aber Erinnerungen an das schwarz-weiße Fernsehen der 60-er Jahre wachruft.

Denn da wurde ein Straßenfeger mit dem Titel „Soweit die Füße tragen“ gesendet, der sich über eine Vielzahl von Folgen erstreckte. Die Geschichte: Ein deutscher Soldat, der in einem Kriegsgefangenenlager im östlichsten und lebensfeindlichsten Sibirien inhaftiert ist, flieht aus diesem Lager und schlägt sich als blinder Passagier auf  Eisenbahn-Waggons, mit selbst gebastelten Booten, zumeist aber zu Fuß – daher der Titel – zuweilen aber auch mit Hilfe der einfachen russischen Landbevölkerung auf einer Strecke von mehr als 14.000 Kilometern bis nach Deutschland durch. Immer in Gefahr, von russischem Militär oder der russischen Polizei aufgegriffen zu werden und einem wenig hoffnungsvollen Schicksal als Entflohener entgegensehend.

Damals in den Sechzigern spielte die Rolle des deutschen Soldaten sehr überzeugend der spätere Traumschiff-Kapitän Heinz Weiss.

In der Verfilmung, die seit heute in unseren Kinos zu sehen ist, flieht die deutsche Entdeckung  Bernhard Bettermann durch verschneite Tundren, entlang an endlosen sibirischen Bahnlinien und durch Wälder und Felder von unermesslicher Weite und führt uns dabei einen Menschen vor, der durch die Sehnsucht nach seiner Frau, seinen Kindern und seiner Heimat unerbittlich gegen alle versagenden Kräfte weiter getrieben wird.

In der Regie von Hardy Martins erleben wir in diesem Film aber nicht eindrucksvolle Schauspieler wie den genannten Bernhard Bettermann, Michael Mendl oder Irina Pataeva und in Nebenrollen noch weitere Darsteller, die im Gedächtnis bleiben, sondern auch atemberaubende Landschafts-Aufnahmen, die ahnen lassen, welche Strapazen jemand auf sich nimmt, der mehr als drei Jahre unter den widrigsten Umständen mit Lappen an den geschundenen Füssen unterwegs ist. Da die meteorologischen Umstände, unter denen dieser Film gedreht wurde, entsprechend zu sein hatten und die Schauspieler sicher nicht zu beneiden waren, kann man hier eine ganz besonders authentische Art der Rollen-Gestaltung erleben.

Wer sich also im Kino in Ruhe eine Geschichte erzählen lassen möchte, der wird mit diesem Off-Road-Movie mit Sicherheit optimal bedient.

 

 

 

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