
THE
6TH DAY
Am sechsten Tag
schuf Gott den Menschen nach seinem Ebenbild. So oder so ähnlich -
steht es in der Bibel.
In einer
Zukunft, die näher ist, als mancher sich das vielleicht wünschen würde,
hat Gentechnik die Welt verändert. Lebensmittel, Haustiere, sogar
menschliche Organe werden nach bedarf industriell geklont. So steht es
im Presseheft vom neuesten Schwarzenegger-Opus THE 6th DAY.
Nur das Klonen von
Menschen steht auch in der in diesem Film als eher düster beschriebenen
Zukunft unter strengster Strafe. Aber was machbar ist, wird gemacht
werden. Soviel steht fest. Ethik der Forschung ist eine Schimäre, die man
sich besser von vornherein aus dem Kopf schlägt. Das war mit der
Kernspaltung so und ebenso wird auch das erste menschliche Doppel und die
daran geknüpften Ängste eines Tages von skrupellosen Wissenschaftlern
und deren finanziellen Handlangern als Sentimentalität von sogenannten
Warmduschern belächelt
werden.
Ornie Sworzenegger,
ein ehemaliger Kampfpilot und nunmehriger Helikopter-Unternehmer kommt
eines Tages nach Hause und muss feststellen, dass ein perfektes Abziehbild
seiner selbst es sich in seinem Haus und mit seiner Familie gemütlich
gemacht hat. Und das ausgerechnet heute, an seinem Geburtstag. Doch damit
nicht genug der Überraschungen.
Damit der GEKLONTE
Arnie, alias Adam Gibson, in Ruhe weiter existieren kann, soll das
Original ins Jenseits befördert werden. Das lässt der echte Arnie-Adam
aber nicht so ohne Weiteres befördern und darum sind 126 Minuten Film von
Bond-Regisseur Roger Spottiswood zusammengestellt
worden, um Arnie Gelegenheit zu geben, das zu zeigen was er am besten
kann. Nämlich: Kraftvoll zubeißen ! Und wenn es darum geht, die eigene
Existenz zu verteidigen, kennt Arnie erst recht keine Spur von Gnade.....
Der Zukunft durchs
Schlüsselloch zu schauen und zu phantasieren Was wäre wenn humanes
Genmaterial dereinst wirklich zur Herstellung von identischen menschlichen
Ebenbildern verwendet werden würde... ist sicher ein hochinteressantes
Thema für einen Science-Fiction-Thriller. Aber als Vorwand, um einen
ehemaligen Action-Helden ins Charakter-Fach zu hieven, ist der Stoff
leider zu schade. Aus Arnie wird nun mal bei aller Hochachtung vor
seiner körperlichen Fitness kein faszinierender Schauspieler, dessen Sog
einen in die Geschichte reißt, mit dem man sich solidarisiert und an
dessen Seite man das Böse in der Welt bekämpfen will. Auch wenn dieser
Kampf von vornherein aussichtslos scheint. Mit ein und demselben Gesicht
und sei es noch so angestrengt- kommt man hier nicht durch. Hier ist
darstellerische Raffinesse und Ausdruckskraft angesagt, die nur in
seltenen Ausnahmefällen etwas mit Körperkraft zu tun hat. und von seiten
der Regie wäre weniger Spektakel, das der Brisanz des eigentlichen
Inhalts die Sicht verstellt, ebenfalls anzuraten. Einzig Robert Duvall als
Genpfuscher Dr. Weir lässt etwas von den Möglichkeiten ahnen, die dieser
Filmstoff in sich hätte bergen können.
Vielleicht wird ja
ein solches Motiv noch einmal
in Abwandlung verfilmt und dann würde ich mir eher Sean Penn, Nicholas
Cage oder auch Al Pacino, jedenfalls einen Darsteller im Zentrum wünschen,
dessen eindimensionale Helden-Pose nicht von vornherein außer Frage
steht.
Das Kino-Publikum
in Amerika knüpfte offensichtlich auch wenig Hoffnung an diese
Mischkulanz denn es hat THE 6TH DAY und Arnie am
Premieren-Wochenende durch Desinteresse doch ziemlich im Regen stehen
lassen. Mal sehen, ob Europa und insbesondere Arnie´s österreichische
Heimat den Film doch noch auf die Überholspur biegt.
Denn es geht doch
letzten Endes nicht um Kunst sondern um Kohle ! Oder ??
Und das wird sich
dereinst auch bei den Klons nicht ändern. Sie sind ja schließlich
unser perfektes Ebenbild.
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