The Royal Tennenbaums

 

Die Königliche Familie Tennenbaum hält an diesem Wochenende durchaus standesgemäßen Einzug in unsere Lichtspielhäuser, denn diesem Wes-Anderson-Film läuft bereits einige Zeit eine Welle von Begeisterung derer voraus, die die Gelegenheit hatten, diese ebenso wirre wie komische und tragische Familien-Saga im englischen Original zu sehen.

Bereits im Jahre 1998 hatte sich Regisseur Wes Anderson als Original besonderer Prägung ausgewiesen als seine Highschool-Farce „Rushmore“ in unsere Kinos kam und damit hat er sich damals eine weltweite Fangemeinde erobert, die durch „The Royal Tennenbaums“ mit Sicherheit eine rasche Erweiterung erfahren dürfte.

Als leidgeprüfter TV-Konsument ducke ich mich üblicherweise wie ein Pawlowscher Hund wenn in meiner Umgebung das Wort Familien-Saga ausgesprochen wird. Ob „Dallas“ oder „Dynastie“ ob „Forsthaus Falkenau“  oder „Reich und Schön“, sie alle verursachen mir eine besondere Art der Gähntechnik mit unausweichlichem Tiefschlaf. Da bedurfte es erst des Regisseurs Wes Anderson mit seinem Drehbuchautor Owen Wilson, um mir dieses Genre als komödiantische Farce wieder schmackhaft zu machen.

Zu Beginn erleben wir eine Familie Tennenbaum, die alles Glück dieser Erde gepachtet zu haben scheint. Die Eltern Royal und Etheline sind reich und glücklich, die Kinder allesamt kleine Genies. Söhnchen Chas verfügt bereits im zarten Knabenalter über Fähigkeiten im Immobilienhandel, um die ihn hartgesottene Insider beneiden, Tochter Margot schreibt Besteller noch bevor sie ins College eintritt und Richie trifft den Tennisball ebenso zielsicher wie einst Boris aus Leimen. Aber Regisseur Anderson hat diesen fast kitschigen Traum einer sonnen-beschienenen Erfolgsfamilie nur so hoch gehängt, um ihn in der Folge umso radikaler und geräuschvoller fallen lassen zu können. Während der kommenden zwei Jahrzehnte versackt diese einst so glänzende Vorzeige-Dynastie in ein Chaos, das sich nur zwei so ausgefuchste Drehbuch-Profis wie Anderson und Wilson auszudenken im Stande sind.

 Die Scheidung der Ehepartner Royal und Etheline ist dabei nur ein Beistrich im Buch der persönlichen Niederlagen aller Familienmitglieder.

Nun könnte man diesen Film damit beschließen, dass die einst reichen und gefeierten Tennenbaums aus den luftigen Höhen ihres Luxuslebens schließlich im Staub des Souterrains gelandet sind. Nach dem bekannten Motto: „Je höher man steigt, umso tiefer fällt man“. Aber dann hätten wir eine Tragödie reinsten Wassers und keinen vergnüglichen Film mit der unvergleichlichen Handschrift von  Wes Anderson. Er bringt innerhalb von 108 Minuten das Kunststück zuwege, den in alle Winde zerstreuten und in sich zerstrittenen Clan wieder zusammen zu bringen und wie er das tut, rechtfertigt durchaus die Vermutung, dass nach den Erfolgen bei der diesjährigen Golden Globe-Veranstaltung auch der Oscar keinen allzu weiten Bogen um diesem Film machen dürfte. Die Besetzung mit solchen Hochkarätern wie Gene Hackman, Anjelica Houston, Gwyneth Paltrow, Ben Stiller und Danny Glover ist allein schon die kleine Gold-Statue wert.

 

 

 

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