Thirteen Days

 

Man muss wohl schon einige Jährchen auf dem Buckel oder im Geschichtsunterricht gut aufgepasst haben, um mit Stichworten wie „Invasion in der Schweinebucht“ oder „Kuba-Krise“ irgendwelche Ereignisse verknüpfen zu können. Dabei ist gerade der um Haaresbreite gut ausgegangene zweite Geschichts-Vorfall verantwortlich dafür, dass im vergangenen Jahr ein Film eben darüber gedreht werden konnte und in der Folge natürlich auch dafür, dass wir ihn in unseren Kinos betrachten können. Denn im Herbst 1962 stand die Welt ganz knapp vor dem Super-Gau und man kann von Glück sagen, dass sich das scherzhafte Sprichwort nicht bewahrheitet hat, das da meint: „Gestern standen wir am Rande des Abgrunds. Heute sind wir einen entscheidenden Schritt weiter !!!“

Genau am 17. Oktober 1962 entdeckten amerikanische Aufklärungs-Flugzeuge, dass das mit der UDSSR in kommunistischer Gemeinschaft verbundene Kuba Anstalten machte, russische Atomraketen auf seinem Territorium zu stationieren. Dass sich der amerikanische Präsident eine solche Provokation und die damit verbundene Bedrohung direkt vor der Haustür weder bieten lassen wollte noch konnte liegt auf der Hand. Ein Jahr zuvor hatte er bereits ein mittleres Fiasko hinnehmen müssen, als die Invasion der kubanischen Schweinebucht durch Exilkubaner mit Waffen und Unterstützung des amerikanischen Geheimdienstes kläglich scheiterte. Eine weitere Schlappe durfte sich John. F. Kennedy nicht leisten. Also musste das russisch-kubanische Vorhaben mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verhindert werden. Aber wie ???

13 Tage, in denen im Weißen Haus, im State Department und allen damit in Verbindung stehenden Büros die Lichter nicht ausgingen weil fieberhaft nach einer Lösung gesucht wurde, die NICHT zu einer direkten Konfrontation der damaligen Supermächte Amerika und Russland geführt und damit fast zwangsläufig einen Atomkrieg ausgelöst hätte, schildert der Film THIRTEEN DAYS – DREIZEHN TAGE.

Drehbuchautor David Self hatte in der Vorbereitung Zugang zu Akten und Tondokumenten, die die Abläufe im Weißen Haus während dieser 13 Tage authentisch belegen und er hatte einen Gewährsmann zur Seite, der mitten im Geschehen stand: Robert McNamarra, den damaligen amerikanischen Verteidigungsminister.

Nun sagt man zwar, dass es das Leben ist, das stets die besten Geschichten schreibt, ob es aber auch die dramatischsten im filmischen Sinne sind, steht dahin.

Positiv zu Buche schlägt jedenfalls, dass Regisseur Roger Donaldson der Versuchung widerstanden hat, den Kuchen auf die Torte zu setzen, also: der ohnehin vorhandenen geschichtlichen Dramatik zusätzliche künstliche Spannung hinzuzufügen. Der Ausgang ist ohnehin bekannt und so interessiert eigentlich nur das WIE. Und dieses WIE transportiert eine ganze Reihe hervorragender Darsteller. An ihrer Spitze Kevin Costner als Präsidentenberater Kenneth P. O´Donnell. Ich bin kein bedingungsloser Costner- Fan. Aber in dieser Rolle eines kühlen Mathematikers der Politik hat er, meiner Meinung nach, seine Bestimmung gefunden. Ähnliches gilt für die beiden Kennedy-Darsteller John F. und Robert, gespielt von Bruce Greenwood und Steven Culp.

THIRTEEN DAYS ist alles in allem ein Film, der den älteren Zeitgenossen noch einmal verdeutlicht, welch ein Abenteuer sie 1962 überlebt haben, ohne es wahrscheinlich in den echten Ausmaßen wahr genommen zu haben und jenen mit der Gnade der späteren Geburt soll er eine Mahnung sein, die Welt nie mehr soweit an den Rand des Abgrunds geraten zu lassen.

 

 

 

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