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The Sixth Sense Nun beginne selbst ich, an die magischen Kräfte des Jahrtausendwechsels zu glauben. Nicht an das derzeit gängige apokalyptische Larifari, das versteht sich wohl von selbst, wohl aber an einen höchst geheimnisvoll mutiertes Geschmacks-Virus, das die weltweite Gemeinde der Kinobesucher ganz offensichtlich befallen hat. Waren es bis vor kurzem entweder aufgeblasene Anabolika-Models, deren Dialogfähigkeit bereits bei zwei auf einander folgenden Sätzen an ihre ehernen Grenzen stieß, die das Publikum, besonders das junge, in Atem hielten oder aber eine film-überwuchernde Techno-Trickkiste, deren oft erstaunliche Ergebnisse da und dort durch unerschrockene Akteure unterbrochen wurden, so scheinen jetzt wieder Filme Konjunktur zu haben, in denen echte Schauspieler in spannenden Handlungsabläufen durch eine herausragende Kamera und Regie zu ihrem darstellerischen Recht kommen. Nicht, dass es dies nicht in den zurückliegenden Jahren auch gegeben hätte ich bin nicht müde geworden, darauf hinzuweisen aber jetzt sind eben diese Filme auch noch an der Kasse besonders erfolgreich und das macht doch Hoffnung auf das neue Jahrtausend. Auch darauf, dass die Berufs-bezeichnung "Schauspieler" nicht weiterhin an jede Person verschleudert wird, die vor einer Kamera auf Kommando mühsam ein halbwegs passendes Gesicht schneiden kann. Meine Hoffnung wird durch zwei Filme begründet, die die unerwarteten Blockbuster der vergangenen Monate waren. Das "Blair Witch Project" auf der einen, "Seventh Sense" Der Sechste Sinn auf der anderen Seite. Und wer da glaubt, weil Bruce Willis im "Sechsten Sinn" zu sehen ist, müsse in diesem Film das Maschinengewehr Feuerstösse husten und kübelweise Filmblut fliessen, der wird bitter enttäuscht sein. Bruce Willis spielt hier sehr leise und einfühlsam den Kinderpsychiater Dr. Malcolm Crowe, der für einen Jungen namens Cole Sear quasi zur letzten Rettung wird. Nach vielen vergeblichen Anläufen in das Vertrauen des Buben, gelingt es ihm endlich festzustellen, was das Geheimnis des verschlossenen und in sich gekehrten Cole ist. Der Junge spricht plötzlich von seinen Erscheinungen und dass er immer wieder von Besuchern aus dem Reich der Toten aufgesucht wird, die mit ihm ihre grausamen Spielchen treiben. Mehr wird hier nicht verraten, darf ich auch nicht wenn ich Ihnen die Vorfreude auf diesen außerge-wöhnlichen Film nicht nehmen will. Hingegen möchte ich die Gelegenheit wahr nehmen, an dieser Stelle meinen Hut vor Bruce Willis zu ziehen. Er verdient die Ehrenbezeichnung "Schauspieler" in hohem Masse. Schade, dass er davon in der Vergangenheit nicht immer Gebrauch gemacht hat. "Pulp Fiction" war da schon die Ausnahme. Manche müssen halt erst "Langsam Sterben" bevor sie auf höchst erfreuliche Art wieder auferstehen. Und wenn das Sprichwort stimmt, dass man immer nur so gut spielt wie es der Partner zulässt, dann ist dies ein Riesen-Kompliment für den erstaunlichsten Kinder-Darsteller, den es in Hollywood seit langem gegeben hat. Er heißt Haley Joel Osment, ist gerade einmal 11 Jahre alt. Wie dieser Bursche aber die höchst schwierige Rolle eines seherischen Einzelgängers aufgesaugt hat und sie der atemlosen Aufmerksamhkeit des Publikums empfiehlt, das nötigt Schauer der Bewunderung ab. Ein wirkliches Ausnahmetalent, das uns - anders als z.B. McCauley Culkin - sicher auch dann noch Freude machen wird, wenn es einmal die 20 überschritten hat. Und dann wäre da ja auch noch der Regisseur und Drehbuchautor. Er ist in diesem Metier geradezu ein Säugling mit seinen 28 Jahren. Aber wie er die story, die von ihm erfundene, gestaltet und zu einem höchst überraschenden Ende führt, das verrät traumwandlerische Meisterschaft. Sein Name, Manoj Night Shamalan, weist auf seine indische Herkunft hin. Er wurde aber in Philadelphia geboren, wo dieser Film übrigens gedreht wurde. Frank Hoffmann verleiht diesem wunderbaren Ergebnis die Höchstnote und bitte alle Freunde des Films, die aus nachvollziehbaren Gründen das Kino zeitweise gemieden haben, den ersten Schritt hiermit wieder zu wagen. Hoffentlich kann ich Ihnen bald auch Mut zum zweiten machen. Ich wünsche allen Film-Freaks ein Gutes Neues Jahr und freue mich auf Ihren Besuch und Ihr Interesse im kommenden Jahrtausend.
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