ÜBER KURZ ODER LANG

 

Wettbewerbe und Festivals haben es gut. Sie können zweite Sieger küren, ohne den ersten Platz vergeben zu müssen. Die selbst gestellte Aufgabe der Trailer-Redaktion ist es, jede Woche einen Film zu benennen, der dann als sogenannter „Film der Woche“ präsentiert wird.

In dieser Woche tue ich mir dabei besonders schwer. Denn 1. stehen überhaupt nur drei erwähnenswerte Filme zur Auswahl, davon ein Kinderfilm, und 2. sind die Übrigen zwar unterschiedlich in der Zielrichtung, in der Qualität sind sie allerdings beide nicht voll überzeugend. ANGEL EYES, ein Krimi-Drama mit der derzeit omni-präsenten Jennifer Lopez, ist der eine. „Über kurz oder Lang“, eine schrille Figaro-Satire aus England, der andere.

Die Würfel haben für die Komödie aus England entschieden und so erlauben Sie mir, Ihnen kurz zu schildern, worum es in diesem – bisweilen – doch recht amüsanten Filmchen geht.

In der englischen Kleinstadt Keighley sollen die haarstäubenden Meisterschaften englischer Fogaros im Wettbewerb um die „Silberne Schere“ entschieden werden. So weit, so gut.

Um eine solche Story gut zu verpacken, bedarf es nun natürlich mehr als sich über schwuchtelnde Kamm-und-Schere-Akrobaten lustig zu machen und so muss eine Geschichte her, die die Abteilung „Tiefgang“ abdeckt. Gefunden wird sie in einem familiären Tragödchen. Seit Shelley, die Frau des örtlichen Barbiers Phil, mit ihrer Freundin Sandra nicht nur aus dem dreifaltigen „K“ - Küche, Kinder und Kirche – sondern, heiliger Bimbam, auch noch ins lesbische Lager geflohen ist, herrscht Eiszeit im einst so trauten Familienkreis.

Phil, früher selbst einmal „Silberne-Schere“-Champion, hat sich daraufhin in einen kleinen Salon zurück gezogen. Dass genau auf der anderen Straßenseite der Salon „The Cut Above“ angesiedelt ist, in dem Shelley und Sandra ihre Kunden verschönern, macht die Situation für Phil auch nicht erträglicher. Dem Wettbewerb sieht er aus mehreren Gründen mit Skepsis entgegen. Zum einen hat Phils Sohn Brian den Wunsch angemeldet, an dem Bewerb teilnehmen zu wollen, was Papa entsetzt verboten hat, andererseits erwartet er zu diesem Anlass seinen schärfsten Rivalen, den überheblichen Ray Robertson, der es mit zwielichtigen Methoden mittlerweile zu 2 Siegen im „Schere“-Wettbewerb und zu einer Salon-Kette in London gebracht hat. Der taucht auch kurz nach seiner Ankunft in Phils Laden auf, um ihn alsbald mit einer Ladung von Hohn und Spott zu überschütten. Brian, der Zeuge dieser Szene geworden ist, beschließt darauf, sich dem Team seiner Mutter und deren Freundin anzuschließen, um so vielleicht wieder zur Versöhnung der ehemaligen Familie beizutragen.

Was weder Phil noch Brian wissen: Shelley ist unheilbar an Krebs erkrankt, ihre Tage sind gezählt und die Zeit arbeitet gegen alle....

Natürlich hat Drehbuchautor Simon Beaufoy in den 94 Minuten von „Über Kurz Oder Lang“ noch eine ganze Reihe von komischen Situationen geschaffen, die dem hohen Anspruch von tiefschwarzem englischen Film-Humor durchaus standhalten – etwa die Szene, in der Brian und Christina, die Tochter des Erzrivalen Ray, ihre Creation an toten Models im Leichenschauhaus ausprobieren, aber über die gesamte Länge hängt der von Regisseur Paddy Breathnach in Szene gesetzte Film doch da und dort etwas durch. Da ändern auch die z.T. sehr guten schauspielerischen Bemühungen von Alan Rickman, Josh Hartnett und Natasha Richardson nichts daran. Das Haar-Model Jasmine, verkörpert von Top-Model Heidi Klum, ist allerdings absolute Spitze. Einmal als augenfreundlicher Blickfang und in weiterer Folge als haar-technisch aufgeputzter Christbaum der Sonderklasse. Solch haarsträubende Vogelnester hat nicht einmal Gloria von Thurn und Taxis in ihrer Zeit als international gefürchteter Party-Schreck zusammen gebracht. Aber über Geschmäcker lässt sich ja bekanntlich streiten. Ob sie nun Haartrachten betreffen oder Filme.

 

 

 

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