Vengo „Harry Potter“ ist vor zwei Wochen als Erfolgs-Orkan durch unsere Kinos gefegt, der nächste Wirbelsturm „Der Herr der Ringe“ wird in der kommenden Woche erwartet. Wir befinden uns sozusagen in einer kurzen sturmlosen Zwischenphase. Das heißt allerdings durchaus nicht, dass der anspruchsvolle Kino-Freund nicht auch in dieser Woche Erfreuliches in den Premieren-Kinos entdecken könnte. Da gibt es z.B. einen Film aus Spanien, der für Freunde des Flamenco und all der verwandten Klänge aus dem andalusischen Raum seine vielfachen Reize entfaltet. Dieser Film heißt VENGO und das heißt sehr frei übersetzt soviel wie: „Ich komme, um Rache zu nehmen !“, denn vordergründig geht es um Blutfehde zwischen zwei Gitano-Sippen. Caco, die Hauptfigur des Films hat gerade seine geliebte Tochter Pepa verloren und versucht, seinen Schmerz dadurch zu vergessen, dass er sich Hals über Kopf in den Rausch der Feste und der Musik stürzt. Mit ihm ist sein behinderter Neffe Diego und der wiederum wird von einer gegnerischen Sippe verfolgt weil dessen Vater ein Mitglied dieses Stammes umgebracht haben soll und die Blutrache sieht vor, dass wenn man des eigentlichen Täters nicht habhaft werden kann, ein anderes Mitglied der Familie getötet werden kann bzw. muß. All dieses archaischen familiären Riten und Verwicklungen bilden aber lediglich den Hintergrund, vor dem Regisseur Tony Gatlif ein Feuerwerk andalusischer Klänge entfacht, das nicht nur den Flamenco umfasst sondern mit ihm alle Facetten und Quellen, aus denen sich diese unverwechselbare Musik gespeist hat und heute nach wie vor speist. Bereits mit seinem Beginn gibt dieser Film eine Visitenkarte für den Verlauf ab, der auf den Zuschauer und –hörer den Rest der insgesamt 90 Minuten wartet. Da baut sich sozusagen aus dem Nichts eine musikalische Ouvertüre auf, in die alles einfließt, was an Emotionen denkbar ist. Sehnsucht, Freude, Hass und der Schmerz eines Vaters, der um seine Tochter trauert. „VENGO“ ist natürlich kein Film für ein Laufpublikum, das sich 1 ½ Stunden Zerstreuung oder Berieselung erwartet. Man muss schon offen sein für Eindrücke aus einem Teil Europas, die unserer Mentalität doch einigermaßen fremd sind. Dann allerdings wird man das Kino um viele wertvolle Erfahrungen bereichert verlassen und im Innersten bewegt durch die Begegnung mit einer Musik, der die Kraft des Urknalls inne wohnt.
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